Die Tiefkühlpizza, die Lederschuhe, das Smartphone. In ihrem Buch "Konzerne an die Kette" nehmen Veronika und Sebastian Bohrn Mena jedes dieser Produkte akribisch auseinander und rekonstruieren, wo die einzelnen Komponenten herkommen. So werden die sonnengereiften Tomaten aus Sizilien, die in der Pizzasauce stecken, etwa von Wanderarbeitern mit ausbeuterischen Werkverträgen geerntet. Die Autoren erklären in leicht verständlicher Sprache, die an manchen Stellen jener von Boulevardzeitungen gleicht, an welchen Punkten im Herstellungsprozess Menschenrechtsverletzungen und Umweltsünden begangen werden, wer dafür verantwortlich ist und wer dafür ihrer Meinung nach in die Verantwortung genommen werden sollte. Nämlich: die Konzerne.

Auf 188 Seiten untermauern die Aktivisten ihre Recherche mit Fakten, die auf ausgewiesenen Quellen basieren. Der Lösungsvorschlag der beiden scheint einleuchtend: Es braucht ein Lieferkettengesetz.

Ein solches Gesetz, wie es in Deutschland bereits beschlossen wurde, soll Unternehmen auch in Österreich dazu verpflichten, die soziale und ökologische Verantwortung der gesamten Lieferkette zu übernehmen. Statt durch die freiwilligen UN-Sustainable Development Goals (SDG) sollen Unternehmen somit per Gesetz die Verantwortung für den Umgang mit Mensch und Natur übernehmen, auch wenn die Ausbeutung durch einen Zulieferer geschieht.

Die Autoren stellen mit ihrem Buch nicht den Anspruch, das System umzuwälzen. Ein Lieferkettengesetz könne den Kapitalismus nicht abschaffen und das solle es auch nicht. Sie fordern das absolute Minimum, das angesichts von lobbyierenden Wirtschaftsvertretern wie ein Revolutionsakt wirkt: Produktionsbedingungen, die weder zulasten von Menschen noch der Natur gehen.