Man könnte sagen: Die Frau weiß, wovon sie schreibt. Immerhin ist die Hauptperson - beziehungsweise eine der Hauptpersonen - im Politthriller "State of Terror" die Außenministerin der Vereinigten Staaten. Und den Job hatte Hillary Clinton ja auch schon einmal. Allerdings hat Clinton mit einer Bedrohung solchen Ausmaßes damals glücklicherweise nichts zu tun gehabt. Der Roman, den die Ex-Politikerin gemeinsam mit der kanadischen Krimischriftstellerin Louise Penny geschrieben hat, startet schon einmal mit drei verheerenden Bombenattentaten in Bussen in London, Paris und Frankfurt. So blutig die auch sind, sind sie nur der Vorbote einer viel größeren Gefahr: die sich aus dem Wettrennen um die nukleare Bewaffnung von Iran, Pakistan und Afghanistan speist.

Wie konnte es dazu kommen? Das ist die wahrscheinlich eleganteste Retourkutsche, die je eine unterlegene Präsidentschaftskandidatin geliefert hat. Bekanntlich musste sich Clinton Donald Trump 2016 geschlagen geben. Nun skizziert sie eine Terror-Situation, die sich durch eine isolationistische Administration, wie es die Trump‘sche war, ergeben kann.

Ob nun wirklich nach nur vier Jahren ein jahrzehntelang erarbeitetes, weltweit diplomatisches Netz auf einen Schlag nachhaltig weggewischt werden kann, sei dahingestellt. Aber das ist ja auch kein Sachbuch, sondern Fiktion. Und als diese funktioniert es ausnehmend gut. Erfreulich ist eine große Menge an Frauenfiguren - vor allem für einen Politkrimi auffallend. Die Außenministerin oder "Madame Secretary" Ellen James ist keine logische Wahl für das Amt - sie hat eigentlich den Gegenkandidaten unterstützt. Trotzdem hat der neue Präsident sie eingesetzt - das hat für ihn nämlich einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Sie muss als Vorsitzende ihres mächtigen internationalen Medienkonzerns zurücktreten. Und der gehört zu den größten Kritikern des Präsidenten, der sich nun eine Beißhemmung erhofft.

Im Lauf der wirklich spannenden Handlung stellt sich freilich die Frage, ob das der einzige Grund für die untypische Ministerbesetzung ist. Ellen James ist durch ihren Außenseiterstatus eine gelungene Identifikationsfigur und hat durch den journalistischen Hintergrund einen plausiblen Antrieb. Der Kern der Geschichte, erzählten Penny und Clinton im Interview, ist durchaus real. "Louise fragte mich: ,Was hat dich in der Zeit um den Schlaf gebracht?‘ Und es ist damals wie heute dasselbe: die Sorge, dass nukleare Waffen in die Hände von Terroristen kommen."

Und dann noch Monica

Die Clintons haben übrigens derzeit einen Lauf in der Populärkultur, aber nicht immer ist das selbstbestimmt: Die Anthologieserie "American Crime Story" nimmt sich nach dem O.J.-Simpson-Prozess und dem Mord an Gianni Versace nun das "Impeachment" von Bill Clinton vor. Die Erzählung fokussiert sich auf Monica Lewinsky und den Freundschaftsverrat von Linda Tripp. Hillary ist naturgemäß nur eine Nebenfigur, aber Schauspielerin Edie Falco bemüht sich, ihr Wechselbad der Gefühle zwischen Beistand für ihren Mann und der Wut über seine Unehrlichkeit auch in den wenigen Bildschirm-Minuten eindringlich zu vermitteln.

Bill Clinton wiederum hat im Sommer auch einen Krimi mit seiner doch sehr exklusiven Expertise veröffentlicht: "Die Tochter des Präsidenten". Es ist bereits sein zweites Buch dieser Art, und auch er arbeitet im Duo. Sein Kompagnon ist der Bestsellergarant James Patterson.