Ja, es ist ein historischer Krimi. Nein, Michael Ritter zwingt seinen Lesern keine Lehrstunde in österreichischer Geschichte auf, wenn er in "Wiener Hochzeitsmord" im Jahr 1912 die Tochter eines Kriminesers heiraten und dabei den Priester nach der Trauung sterben lässt. Ein bisschen schwingt zwar schon der Vorabend des Ersten Weltkriegs mit, aber sehr unaufdringlich und eher en passant.

In erster Linie ist es ein handwerklich sehr solide gezimmerter Polizeikrimi mit einem schlauen Ermittler und dessen treuem Assistenten, bei dem der Autor seinen Lesern sogar den Gefallen tut, dass sie am Ende sagen können: "Hab ich’s doch gewusst!" Weil kleine Hinweise sie auf die richtige Fährte führen.

Und so folgt man der akribischen Spurensuche von Kriminaloberinspektor Fried und seinem Kollegen, dem Novak, wie er schlicht genannt wird, die in der Vergangenheit des ermordeten Priesters wühlen. Denn dass mehr hinter dem vermeintlichen Raubmord stecken muss als der bloße Diebstahl einer Statue aus der Hochzeitskapelle, ist dem Ermittler - der den Fall vor allem deshalb so intensiv bearbeitet, weil er der Vater der Braut ist - rasch klar. Spaß macht vor allem seine robuste Art, mit der er seine Aufklärungsmission in fast schon eigener Sache - immerhin hat ihm das Ganze die Feierstimmung nach der Hochzeit verdorben - vorantreibt. Den alten Brummbären hat man rasch ins Herz geschlossen.