Eine aus Lebenserfahrung gewonnene Grundregel der Psychologie lautet: Die einzigen normalen Leute sind die, die man nicht gut kennt. Und der Sinn und Zweck der Literatur, oder jedenfalls der Romane, besteht unter anderem darin, diese Regel zu exemplifizieren, indem wir mit dem Leben anderer, von weiter weg betrachtet durchaus normaler Menschen bekannt gemacht werden. Aus der Nähe betrachtet, erweisen sie sich dann verlässlich als durchaus weniger "normal". So auch in diesem kleinen Roman.

Die Handlung umfasst den Tag der im Titel angesprochenen Hochzeit, die, etwas überstürzt angesetzt, an einem frischen, windigen Märztag an der englischen Südküste stattfindet. Zunächst hält man die heillose Aufregung der Braut für dem Anlass durchaus angemessen; doch scheint es etwas unklug, dass sie sich zur Beruhigung einer Flasche Rum bedient.

- © Dörlemann
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Und der junge Mann (nicht der Bräutigam) mit dem roten Gesicht kommt einem zunächst auch nicht skurriler vor als die restliche, mit großer Freude an merkwürdigen Wesenszügen geschilderte gutbürgerliche Gesellschaft, die sich im Elternhaus der Braut einfindet. Mehr und mehr befürchtet man, dass das offenkundige Unwohlsein dieser beiden Figuren einen besonderen Grund haben muss.

Julia Strachey gehörte zur "Bloomsbury Group" um Virginia und Leonard Woolf. Sie veröffentlichten das Buch 1932 in ihrer Hogarth Press, und Virginia nannte es "astonishingly good - complete and sharp and individual". Dem ist zuzustimmen und nichts hinzuzufügen.