Fünf Jahre ist es jetzt her, dass Alexandra Reinwarth ein unkonventionelles Buch geschrieben hat, dessen Titel Programm ist: "Am Arsch vorbei geht auch ein Weg" ist inzwischen zum "Spiegel Online"-Bestseller geworden. Und das aus gutem Grund. Denn die Autoren nimmt sich kein Blatt vor den Mund, wenn sie auf witzige Art beschreibt, wie sie ihre Lebensqualität erhöht hat, indem sie sich von Ballast (in Form von Dingen, Meinungen und auch Personen) trennte - ohne  dabei selbst zu A... zu werden. Das ist wohl die größte Kunst dabei. Zu dieser hat sie ihr Buchprojekt erhoben, das nicht nur eine Fortsetzung umfasst ("Am Arsch vorbei geht auch ein Weg - jetzt erst recht"), sondern auch jede Menge Zusatzbücher vom Kochbuch über den Kalender bis zum Malbuch. Selbst ein Weihnachts-Special gibt es mittlerweile.

Auch wenn das Ganze nicht als Ratgeber tituliert ist, so ist es im Grunde doch einer, mit vielen hilfreichen Tipps und Übungen zum Nachdenken und Nachmachen. Dabei plaudert die Autorin authentisch aus dem eigenen Nähkästchen. Die Anekdoten, mit denen sie ihren Lesern das Leben zu erleichtern versucht, wirken nicht belehrend oder überheblich, sondern wie ein Gespräch auf Augenhöhe.

Sie schildert nicht nur Alltagssituationen, die Stress und Ärger verursachen und auf die man lieber verzichten möchte, sondern gibt tatsächlich auch konkrete Lösungsvorschläge. Ob man die dann auch wirklich befolgen und entsprechend loslassen kann, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Hauptzielgruppe sind eindeutig berufstätige Mütter (erwiesenermaßen sind sie ja auch die am meisten belastete Gruppe in unserer Gesellschaft), aber auch alle anderen Leser werden Spaß an der Lektüre haben und sich mehr als einmal an eigene Erlebnisse erinnert fühlen. Das Ganze ist gut strukturiert durch eine Einteilung in sechs Kapitel, was man sich so alles "am Arsch vorbeigehen" lassen kann.

Wer übrigens meint, Alexandra Reinwarth wäre eine rotzfreche, negativ eingestellte Misanthropin, sei eines Besseren belehrt: Bei der Münchner Verlagsgruppe sind nämlich nicht nur "Am Arsch vorbei"-Bücher von ihr erschienen, sondern auch der komplette Gegensatz: Von ihr gibt es eine ganze "Was ich an dir liebe"-Reihe. Wenn das nicht zutiefst positiv ist . . .