Was ist eine Spin-Bahn-Resonanz, wie sie Merkur hat? Wo und wie entstehen neue Sterne? Weshalb ist Pluto kein Planet mehr? Und ist die Erde wirklich eine Kugel?
Die "250 spannendsten Fragen" verständlich zu beantworten, verspricht Arnold Hanslmeier in seinem neuen Buch "Dimensionen des Weltalls". Und diesem Anspruch wird das Werk auch durchaus gerecht. Neben vielen erwartbaren Fragestellungen bietet der Autor auch so manche Überraschung, wenn er beispielsweise erläutert, ob man die Erdkrümmung sehen kann oder weshalb sich in der Sonne keine Atombombe befindet.

Auch mit manchen Fehlvorstellungen räumt der Astrophysiker Hanslmeier auf, etwa mit der "Kraft des Mondes", die manche zu spüren glauben, oder damit, dass die Jahreszeiten durch den variablen Abstand der Erde zur Sonne entstehen würden. Auch spannende und weiterführende Themenstellungen wie beispielsweise die Helioseismologie, mit der man den Aufbau der Sonne mit (nicht esoterischen) Sonnenschwingungen ergründen kann, finden sich ebenso wie zahlreiche praktische Tipps für den Alltag (vom richtigen Einsatz eines Fernglases bei der Sonnenbeobachtung bis zum Identifizieren des Polarsterns am Himmel). 

Hanslmeier wirft auch mit einer Vielzahl von Fachbegriffen um sich: Parallaxe, Magnetudo, inflationäre Expansion oder auch besagte Spin-Bahn-Resonanz - freilich nicht, ohne dazu auch sehr verständliche Erklärungen mitzuliefern. In einigen Kapiteln scheut der Autor auch nicht davor zurück, etwas Mathematik einfließen zu lassen (wobei Formeln nicht hergeleitet werden, sondern deren Anwendung im Vordergrund steht), und so kann man beispielsweise die Verlangsamung der Uhren in einem Gravitationsfeld oder auch die kritische Materiedichte, ab der das Universum laut Theorie nicht mehr expandiert, sondern kollabiert, abschätzen.

In diesem Zusammenhang ist besonders das Kapitel "Was sind Astronomische Zahlen?" erwähnenswert, das in die für die Physik wichtige Welt der Potenzschreibweise und Abschätzungen einführt. An Kapitelüberschriften wie "Titan – Baden im Alkohol?" wird auch der stellenweise sehr feine Humor des Astronomens deutlich.

Freilich würden sich physikkundige Leser vielleicht an manchen Stellen etwas mehr Tiefgang wünschen (beispielsweise wird das "Weltraumwetter" nur sehr kurz erklärt) beziehungsweise wird an manchen Stellen sehr vereinfacht und die eine oder andere Information – vermutlich bewusst – ausgespart, wenn etwa das Newton'sche Gravitationsgesetz als Erklärung sehr sinnstiftend eingesetzt, jedoch nicht als solches dargeboten, sondern erst weiter hinten etwas ausführlicher erklärt wird oder der Autor zwar das Missverständnis zwischen Gewicht und Masse anspricht, aber nicht auflöst. Es gibt aber immer wieder Querverweise zu entsprechenden Kapiteln, wo dann genauere Informationen zu erwarten sind. Daneben sind auch die Schemata und Abbildungen sehr sorgfältig ausgewählt und optisch sehr schön gestaltet.

Alles in allem bietet das Buch eine sehr facettenreiche Themenauswahl, die auch aktuellen Fragen wie dem Einfluss der Sonne auf das Weltklima oder die Lichtverschmutzung und der damit verbundenen Scotobiologie Raum bietet. Für Einsteiger, die sich einen Überblick zum Thema Weltraum und Astrophysik verschaffen und bei einschlägigen Gesprächen mit dem einen oder anderen außergewöhnlichen Fachwissen punkten wollen, ist dieses Buch absolut zu empfehlen.