Elisabeth Lechner fordert einen Aufstand. Nämlich einen Aufstand gegen den Schönheitswahn, der nicht nur ein Milliardengeschäft, sondern auch politisch motiviert ist: Einen diesbezüglichen Perspektivenwechsel zeigt Lechner in ihrem jüngsten Buch "Riot, don’t diet!" auf. Mit dem Untertitel "Aufstand der widerspenstigen Körper" bringt die österreichische Autorin und Kulturwissenschafterin auf den Punkt, worum es ihr geht: "Wer in unserer Gesellschaft nicht der Norm entspricht, wer sich und seinen Körper nicht dem kommerzialisierten Zwang zur Selbstoptimierung unterwirft, wird marginalisiert, gemobbt und ausgegrenzt." Also: dicke, haarige, queere, alternde Körper, People of Color, Menschen mit Behinderung. So lauten auch die Titel einiger ihrer Kapitel.

Ein Aufstand also? "Eine Revolution, die die komplexen, sich gegenseitig beeinflussenden Diskriminierungserfahrungen unterschiedlichster Menschen ernst nimmt und von diesen ihren Ausgangspunkt nimmt, sie aber in ihrem Kampf um Anerkennung und Rechte unterstützt, wo immer es möglich ist", lautet ihr Kampfruf.

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Wer nun denkt, es handle sich um das x-te Buch, das mantrahaft vorbetet, man solle seinen Körper lieben, wie er ist (Body-Positivity-Bewegung), oder man solle sich von allen Schönheitsidealen abwenden, weil sie unreale Körper vorgaukeln, der irrt. Lechners Zugang ist tatsächlich eine interdisziplinär-wissenschaftliche Perspektive - wie sie auch selbst behauptet. Ihre jahrelange Forschung hat bereits mit ihrer Arbeit zu "ekligen" weiblichen Körpern und Body Positivity an der Universität Wien begonnen, mit der sie letztlich promovierte.

Fremdbestimmt

Lechner verortet Schönheit strukturell zwischen Kapitalismus, Patriarchat und kolonialen Zusammenhängen, und stellt sich selbst die Frage: "Warum ist es so schwer, den Körper als Wahrnehmungsmaschine wertzuschätzen statt als optische Hülle, die immer weiter optimiert werden muss?" "Systemgrant statt Selbsthass", ist eine der zahlreichen informativen Antworten auf diese Frage, die zur Distanzierung von fremdbestimmten Schönheitsvorstellungen mithelfen soll.

Die Autorin gibt auf rund 193 Seiten, tiefgehend recherchiert und weit entfernt von den üblichen Oberflächlichkeiten, einen umfassenden sowie verständlichen Überblick, der so inklusiv ist, wie unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert eigentlich denken sollte. Neben den vielen Problemen bietet Lechner aber auf den letzten sieben Seiten in einem eigenen Kapitel auch Lösungsansätze: In "In fünf Schritten zur Schönheitsrevolution" legt sie dar, wie echte Solidarität aussehen kann und wie wir alle unseren Begriff von Schönheit hinterfragen können.

Besonders erwähnenswert sind Tipps der Kulturwissenschafterin unter dem Kapitelnamen "Weiter: Lesen, Denken, Machen". Hier sammelt sie folgenswerte Podcasts sowie Social-Media-Accounts und stellte eine umfangreiche Bücherliste zur Verfügung.