Der Freedom Tower in New York, der heute One World Trade Center heißt, steht in der Realität noch. In Sebastian Steiners neuem Thriller "Open Eye" wird er jedoch 15 Jahre nach 9/11 durch einen Anschlag zerstört. Die Folge ist das größte Überwachungsprojekt der US-Geschichte, gegen das sich natürlich Widerstand regt. Und mittendrin ist der New Yorker Polizist Sean Joseph, dessen Onkel im Freedom Tower gestorben ist. Er wird nämlich in einen Mordfall verwickelt, der mit dem Überwachungssystem "Open Eye" in Verbindung zu stehen scheint.

Und ehe es sich Joseph versieht, steckt er inmitten einer riesigen Verschwörung, zu der auch zwei Auftragskiller gehören (mit einer großen Portion Emotionen), die offenbar auf die wichtigste Wahlkampfveranstaltung des US-Präsidenten angesetzt sind, bei der er die landesweite Ausrollung von "Open Eye" - nach einem einjährigen Probelauf in New York - verkünden will. Seine Finger im Spiel hat auch ein gewisser Jerry Goldman, der nicht nur geldgierig und skrupellos ist, sondern auch mindestens so mächtig wie der US-Präsident. Und dann sind da noch zwei Journalisten, die Goldmans Leichen im Keller suchen, und eine Gruppe von Aktivisten, die "Open Eye" im letzten Moment stoppen wollen.

Aus all dem ergibt sich eine schier unübersichtliche Situation, in der keiner weiß, wer hinter welcher Verschwörung steckt, wer wem welche Aufträge gibt, und wer all die Leichen auf dem Gewissen hat, die Josephs Weg durch den New Yorker Überwachungsdschungel pflastern. Das heißt, Letzteres weiß der Leser schon, denn Autor Sebastian Steiner lässt ihn teilhaben an den verschiedenen Handelungsebenen und auch an den Gedankengängen der beiden Killer - die am Ende moralisch weit über ihren Opfern stehen. Ob auch über ihrem jeweiligen Auftraggeber, das wird sich erst ganz am Schluss weisen. Auch für den Leser.

Sebastian Steiner bei der Präsentation seines Buches auf dem Dach der Karlskirche (wo in seinem Thriller ein russischer Oligarch ermordet wird). 
- © www.sebs.at

Sebastian Steiner bei der Präsentation seines Buches auf dem Dach der Karlskirche (wo in seinem Thriller ein russischer Oligarch ermordet wird).

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Zwischendurch streut der Autor auch noch eine Verschwörungsgeschichte um die 9/11-Anschläge mit ein, während er eine packende Story voller Wendungen erzählt, die zwar phasenweise wirklich schwer nachvollziehbar ist, aber einen bis zur letzten Seite in Atem hält. Und am Jahrestag des Sturms auf das Kapitol, der nochmals Erinnerungen an Donald Trump weckt, ist auch das Thema eines republikanischen US-Präsienten, der sich nicht um Bürgerrechte schert, sehr heutig. Achja, und einen Wien-Bezug gibt es auch. Das Ganze ist übrigens ein Herzensprojekt, dass Steiner www.sebs.at">im Eigenverlag veröffentlicht hat. Die Zeit, die er investiert hat, hat sich gelohnt.