So eine Gemeinheit! Da schmeißt doch tatsächlich jemand Obstkerne vom Baum hinunter, und zwar von ganz oben, genau auf Titus Kopf. Und weil niemand darauf reagiert, als Titu hinaufschreit, dass das so nicht geht, tut de kleine Maus etwas, von dem sie noch ein paar Seiten zuvor nicht einmal zu träumen gewagt hat: Sie klettert auf den Baum hinauf. Und zwar nicht bloß auf den untersten Ast, sondern den Stamm entlang bis ganz nach oben. Weil sie "denen da oben" jetzt einmal so richtig die Meinung geigen will.

Und vor lauter Ärger denkt sie gar nicht darüber nach, dass sie womöglich Angst haben könnte, so hoch hinauf zu klettern. Der mögliche Absturz ist in desem fokussierten Moment nicht in ihrem Kopf - erfolgt aber dann trotzdem. Weil es aber ein Kinderbuch ist, landet sie sanft in einem Vogelnest. Und klettert erneut hinauf. Weil sie nämlich beim ersten Mal zwar ein paar Tiere getroffen hat, aber nicht die richtigen, sondern immer weiter hinauf verwiesen wurde. Und als sie nun endlich ganz oben ist, wird ihr auch klar, was der dabei stets gefallene Nebensatz von "heute Abend" geheißen hat.

Denn erstens findet sie den Verursacher allen Übels, nämlich ein Eichhörnchen, und zweitens stellt sich heraus, dass das Übel gar kein so großes ist, weil der flinke Kletterer nämlich in der Baumkrone ein herrliches Festmahl für alle Tiere - auch für Titu, die Maus - vorbereitet hat. Und wäre Titu nicht hinaufgeklettert, hätte er es verpasst, mitsamt der schönen Aussicht auf den Vollmond.

So aber hat die Maus - und mit ihr auch die Kinder, die das Buch in der Hand halten - zwei Lektionen gelernt: Erstens kommt man weiter, wenn man fokussiert ist. Und zweitens sollte man nicht immer vom Schlechtesten ausgehen. Christine Davenier hat ihre Geschichte in kurze Sätze und recht schnelle Zeichnungen gefasst, die beim Betrachten ein Gefühl für die Dynamik geben, die Titu auf dem Baum erlebt. Und am Ende gibt es noch die Feststellung, dass Kindern das Erreichte selten genügt. Denn da meint Titu mit Blick in den Nachthimmel: "Wie mag es wohl da oben sein, auf dem Mond?" Nun, dieses Ziel ist dann vielleicht doch etwas hoch gegriffen. Aber es ist eine nette Schlusspointe, die auch ein bisschen dazu ermutigt, nach den Sternen zu greifen.