Was hilft es, wenn man eine Katastrophe zu verhindern versucht, die doch nicht zu verhindern ist? Das ist der Tenor von Christian Klingers neuem Roman, der im und rund um das Triest des Jahres 1914 spielt, konkret: am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Und zwar ganz genau. Während der junge austroitalienische Polizist und Radrennfahrer Gaetano Lamprecht, der von der Teilnahme am "Kleinen Giro" träumt, zum Tod eines Soldaten ermittelt, weil er nicht an den angeblichen Suizid glaubt, wird 600 Kilometer weiter südöstlich das k.u.k. Thronfolgerpaar Franz Ferdinand und Sophie ermordet.

Und noch ahnt niemand in Triest, dass dem der Erste Weltkrieg folgen wird. Noch ist man um Schadensbegrenzung bemüht. Denn eine Gruppe von Aufständischen droht an, die Leichen des Thronfolgers und seiner Gattin auf dem Weg von Sarajevo nach Wien zu entführen. Und das soll Lamprecht verhindern. Schon bald steckt er mitten in einer Intrige, die auch für ihn selbst lebensgefährlich wird. Und das ersehnte Radrennen kann er sich abschminken - dafür radelt er irgendwann mitten in der Nacht um sein Leben.

Der Autor verwebt in "Ein Giro in Triest" k.u.k. Geschichte mit Landschaftskunde und Radfahrbegeisterung. Das Ganze als Rahmen für einen spannenden Plot, der relativ nah am historischen Geschehen, freilich mit einiger Fiktion. Und er geht nicht sehr zimperlich mit seinem jungen Helden um, der sich allerdings mehr als wacker schlägt. Vor allem versucht Klinger die Grundstimmung in einer Stadt einzufangen, die in ihrer multikulturellen Mehrsprachigkeit nicht so recht weiß, wo sie dazugehört: Österreich-Ungarn, Italien, Slowenien (das zwar 1914 kein souveräner Staat ist, aber auch schon in Richtung Königreich Serbien schielt). Die Allianzen und Animositäten, die in dieser Vielvölkerstadt an der oberen Adria zutage treten, spiegeln sich auch in dem wider, was der Polizist Lamprecht bei seinem Einsatz durchlebt, der eigentlich aus Wien stammt, aber wegen einer unschönen Liebesgeschichte mit seiner Familie quasi ins Exil ziehen musste. Wenn der österreichische Statthalter auf den italienischen Bürgermeister trifft und jedes Gespräch ein politisches Kräftemessen ist. Es ist also nicht nur ein unterhaltsamer Historienkrimi, sondern auch eine kleine Lehrstunde in österreichisch-italienischer Zeitgeschichte.