Am 10. Februar startet die Neuverfilmung des Agatha-Christie-Romans "Tod auf dem Nil" in den österreichischen Kinos. Wer mit den Werken der britischen Autorin bisher wenig Berührungspunkte hatte, dem bietet sich die perfekte Gelegenheit, mit diesem neuen Epos in ihre Welt der Verbrechen, Lügen und Affären einzutauchen.

Die Neuerscheinung ist bereits die dritte Verfilmung des Romans, der 1937 veröffentlicht wurde. Im Zentrum steht der belgische Detektiv Hercule Poirot, der einmal mehr rein zufällig vor Ort ist, als ein Mord geschieht - dieses Mal auf einem Nil-Dampfer. In der Vergangenheit von Sir Peter Ustinov (1978) und David Suchet (2004) verkörpert, schlüpft nun Kenneth Branagh in die Rolle des belgischen Ermittlers. Branagh war bereits 2017 in der starbesetzten Neuverfilmung von "Mord im Orientexpress" als Poirot zu sehen und führte bei beiden Filmen auch die Regie. In weiteren Rollen des Nil-Dramas sind Gal Gadot, Armie Hammer, Annette Bening, Dawn French, Jennifer Saunders, Russell Brand und Letitia Wright zu sehen. Zeitgemäßer Nervenkitzel ist zu erwarten, denn vor beeindruckender Kulisse bleibt der Mordfall bis zum Schluss ein Rätsel - hat doch jeder Passagier ein Motiv.

Die Queen of Crime Agatha Christie. - © Hoffmann und Campe Verlag / Stuart Black
Die Queen of Crime Agatha Christie. - © Hoffmann und Campe Verlag / Stuart Black

Nicht nur für Krimifans interessant ist, dass das Leben von Agatha Christie einige Überraschungen parat hält. Alles begann recht beschaulich: Die weltberühmte Schriftstellerin wurde als Agatha Mary Clarissa Miller am 15. September 1890 in der Grafschaft Devon geboren. Sie wurde zuhause unterrichtet. Ihre Mutter entdeckte bereits früh das Schreibtalent der Tochter und unterstützte sie bei der Veröffentlichung ihres ersten Gedichts im jungen Alter von elf Jahren. Nach dem frühen Tod des Familienvaters nahm die Idylle ein recht abruptes Ende: Die wohlhabende Familie geriet in Geldsorgen.

1912 lernte Agatha Mary Clarissa Miller ihre erste große Liebe, den Flieger Archibald Christie, kennen, den sie 1914 heiratete. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste Archibald an die Front und Agatha begann zuerst als Krankenschwester und später in einer Apotheke zu arbeiten. Retrospektiv betrachtet, stellte dies einen Glücksfall dar, denn das Wissen, das sie dabei über Gifte und Arzneimittel sammelte, "injizierte" sie regelrecht in ihre später entstehenden Kriminalromane.

Whodunit: Ein Erfolgskonzept

1921 erschien schließlich Christies erster Roman "Das fehlende Glied in der Kette" ("The Mysterious Affair at Styles"), in dem der Ermittler Hercule Poirot bereits seinen ersten Auftritt hatte. Ihr sechster Roman "Der Mord an Roger Ackroyd" stellte ihren endgültigen Durchbruch dar und machte sie und Poirot 1926 schlagartig berühmt. Der belgische Detektiv mit dem auffälligen Schnurrbart und dem eiförmigen Kopf sollte bis zu Christies Tod insgesamt 37 Fälle aufklären. Die altjüngferliche Ermittlerin Miss Marple löste 1930 ihren ersten Fall und wurde fast genauso berühmt. Bereits 1940 schrieb Christie ein großes Finale für die beiden Reihen, damit diese nach ihrem Tod veröffentlicht werden könnten. Ihren allerletzten Roman "Alter schützt vor Scharfsinn nicht" verfasste sie 1974. Weniger bekannt ist Christies Ermittlerduo Tommy und Tuppence Beresford und ihr Pseudonym Mary Westmacott.

Die meisten Christie-Romane folgen dem klassischen Whodunit-Schema (eine Kurzform von "Who has done it", zu Deutsch "Wer hat es getan?"). Dabei steht am Anfang der Geschichte ein Verbrechen, meist ein Mord, und der Ermittelnde versucht, im Laufe des Falls herauszufinden, wer der Täter war. Das meist versteckte Motiv spielt dabei eine große Rolle. Der Aufbau der Romane ist ebenfalls oft ähnlich: Der Mord passiert fast immer in einer geschlossenen Umgebung wie einem Nil-Dampfer, einem einsamen Haus oder einem Zug (wie dem Orientexpress). Es gibt einen begrenzten Kreis von Verdächtigen, alle haben ein Alibi, eines oder mehrere davon sind falsch. Am Ende des Falls versammeln die Ermittler gerne alle Beteiligten in einem Raum, um die Lösung des Falles zu enthüllen.

Trotz all dieser Ähnlichkeiten werden Christies Romane nie vorhersehbar oder langweilig: Das Publikum wird immer wieder von besonders für die damalige Zeit ungewöhnlichen Wendungen überrascht, wie etwa die Enthüllung eines Ich-Erzählers oder eines Polizisten als Täter.

Auch privat ein Krimi

Im Gegensatz zu ihrem Berufsleben entwickelte sich Christies Privatleben weniger erfreulich: 1926 gestand ihr Ehemann eine Affäre. Was vier Monate später geschah, könnte ebenso gut einem von Christies Romanen entsprungen sein: Nach einem heftigen Streit verschwand Christie spurlos, außer ihrem Auto fand man nichts von ihr. Der besorgte Ehemann gab eine Suchmeldung auf. Über die darauffolgende spektakuläre Suchaktion wurde sogar in der "New York Times" berichtet - selbst Sir Arthur Conan Doyle (dessen Sherlock-Holmes-Romane Christie als Kind gelesen hatte) beteiligte sich. Zehn Tage später stellte sich heraus, dass Christie unter dem Namen der Geliebten ihres Noch-Ehemannes in einem Hotel untergetaucht war. Die Ehe wurde 1928 geschieden, was einen entscheidenden Wendepunkt in Christies Leben markierte. Die Affäre ihres Mannes inspirierte sie angeblich zur nun neu verfilmten Geschichte "Tod auf dem Nil". Regisseur Kenneth Branagh gab im Interview mit der "Daily Mail" an, dass sich Christies Herzschmerz durch alle Figuren der Geschichte ziehe.

Doch dieser Liebeskummer in Christies Leben sollte bald ein Ende finden: Auf einer Reise in den Nahen Osten lernte Christie 1930 den 14 Jahre jüngeren Archäologen Max Mallowan kennen, den sie bereits nach fünf Monaten heiratete. Im Laufe ihres gemeinsamen Lebens begleitete Christie ihren Ehemann oft bei seinen archäologischen Ausgrabungen. So ist es kaum verwunderlich, dass mehrere von Christies Geschichten in Ägypten, im Irak oder in Syrien spielen.

Ein Superlativ nach dem anderen

1971 wurde Christie von Königin Elizabeth II. als Dame Commander in den Orden des britischen Empires aufgenommen. Am 12. Januar 1976 starb Agatha Christie im Alter von 85 Jahren in England an einem Schlaganfall. Mit einer weltweiten Auflage von mehr als zwei Milliarden Büchern gehört die "Queen of Crime" zu den erfolgreichsten Autorinnen aller Zeiten. Insgesamt schrieb Agatha Christie 66 Kriminalromane, aber auch Kurzgeschichten und Bühnenstücke. Mittlerweile gibt es unzählige Adaptionen ihrer Werke in Form von Filmen, Hörbüchern und sogar Computerspielen. Im Jahr 2000 wurde ihr der Titel "Beste Kriminalautorin des Jahrhunderts" verliehen.

Auch der meistverkaufte Kriminalroman der Welt "Und dann gab’s keines mehr" stammt aus ihrer Feder. Grund genug, sich das eine oder andere Werk der Autorin zu Gemüte zu führen und - wie Poirot es ausdrücken würde - seine eigenen "grauen Zellen" einzusetzen.