Es ist ein altes Märchen: Rotkäppchen geht mit seinem Korb durch den Wald, trifft den bösen Wolf, der es Blumen pflücken schickt, während er die Großmutter frisst, blablabla . . .

Stopp! Stimmt nicht! Kann gar nicht sein! Der Wolf würde nie die Großmutter fressen! Weil er selbst viel zu scheu dafür wäre. Und "böse" im Sinne von bösartig kann ein Wolf sowieso gar nicht sein. Außer er wäre ein Mensch im Wolfspelz. Das Märchen von Rotkäppchen stimmt also hinten und vorne nicht und gehört daher völlig neu erzählt. Eine Aufgabe, die Petra Piuk und Gemma Palacio übernommen haben. Sie transferieren es - als Nicht-Märchen - ins 21. Jahrhundert, rücken dabei Rollenverteilung gerade und machen aus dem Wolf das, was er ist: ein gefährdetes Waldtier. Und aus Rotkäppchen das, was gerade in unsere Zeit passt: eine Umwelt- und Tierschutzaktivistin. Und die Großmutter? Darf sie unterstützen im Kampf gegen ein neues Einkaufszentrum, das genau dort hinegklotzt werden soll, wo der Wolf und seine Familie leben.

Und da, endlich: Auftritt des bösen Wolfes. Oder besser gesagt: des bösen Herrn Wolf. Oder noch besser gesagt: des Herrn Wolf, seines Zeichens Bürgermeister und Einkaufstempel-Bauherr, der es einfach nicht besser weiß und sich deshalb erst so furchtbar benimmt, ehe ihn Rotkäppchen zur Vernunft bringt. Und womit? Mit Recht. Und mit einem Stück Kirschkuchen von der Oma. (Ob der echte Wolf auch eines abbekommen hat, ist nicht überliefert - würde ihm aber auch gar nicht bekommen, ebenso wenig wie die Großmutter.)

In ansprechenden Bildern und sehr unterhaltsamer Sprache erzählen also die Autorin und die Illustratorin davon, wie es wirklich im Wald zugeht, und warum der Wolf mehr Angst vor dem Menschen haben muss als umgekehrt. Zum Schluss gibt es auch noch ein (gar nicht schwieriges) Wolfsquiz für die kleinen Leser, die an dieser nicht nur politisch, sondern auch wissenschaftlich korrekten Version des Märchens ebenso ihre Freude haben werden wie der WWF, der das Buch unterstützt.