Wenn ein Autor eine Schnecke Rakete nennt, dann weiß man schon: Hier ist einiges an Ironie zu erwarten. Und die bekommt man tatsächlich in Jörg Isermeyers neuem Kinderbuch "Dachs und Rakete - Ab in die Stadt!", in dem er die Urbanität mit all ihren Begleiterscheinungen aufs Korn nimmt. Denn der Dachs und seine Freundin, die Schnecke, werden von einem Bagger vertrieben, der ausgerechnet einen Naturerlebnispark anlegt, und landen in der großen Stadt.

Keine Ahnung von den Konzepten Geld, Straßenbahnfahrschein oder Baumarkt habend, suchen die beiden überrumpelten Waldtiere dort ein neues Zuhause und leben sich mehr recht als schlecht ein. Aber zum Glück sind sie nicht alleine: Ein erfahrener Bär - der Prototyp eines Lebenskünstlers - im Einkaufszentrum steht ihnen ebenso zur Seite wie die übrigen tierischen Hausbewohner. Und mehr als einmal haben sie auch einfach Glück, sodass sich am Ende alles zum Guten wendet.

Allein schon die Fahrt der beiden mit Sack und Pack auf dem Fahrrad vom Wald in die Stadt ist ein Abenteuer, das dort munter weitergeht. Vor allem der Modernismus, den die urbanen Tiere an den Tag legen und pflegen, überfordert Dachs und Rakete zunächst heillos. Autor Jörg Isermeyer führt uns hier erbarmungslos, aber zugleich höchst niedlich (auch wegen der lustigen Bilder von Kai Schüttler) vor Augen, wie komisch und fragwürdig unsere sogenannte Zivilisation eigentlich ist. Nicht nur die Handlung macht Spaß, sondern auch seine Sprache voller feinem Humor.