Beinahe wäre Wilfried Oschischnigs neuer Krimi "TodesGrant" nach den ersten paar Seiten schon wieder zu Ende. Weil nämlich sein Protagonist Matthias Frerk Gradoneg von der eigenen Wohnungstür zu Boden gestreckt wird und elendig darunter zu verrecken glaubt. Aber es schlägt ihm dann doch nicht die letzte Stunde. Dafür aber dreizehn, weil nämlich die Polizei, die ihn aus seiner misslichen Lage befreit, – was heißt Polizei: die Cobra! Und zwar mit einundzwanzig Einsatzfahrzeugen – verhaftet ihn gleich einmal als blutrünstigen Mörder und Kannibalen (wo er doch nicht einmal so gerne Fleisch isst), während in der Wohnung der Familienkater schwer verletzt liegt. Wie das eine und das andere zustande gekommen ist? Auf recht abstruse Weise.

Oschischnig erzählt einmal mehr eine durchgeknallte Story um eine Hauptfigur, die zur falschen Zeit am falschen Ort ist – oder ist alles eine böse Intrige? – und überhaupt vom Leben verarscht wird. Dabei hat er sich gerade erst wieder aufgerappelt, eine Festanstellung bei einem Magazin bekommen, zwei geerbte Wohnungen zu einer großen zusammengelegt und hergerichtet, ist zu einem braven, biederen Währinger Familienvater mutiert. Und nun sitzt er im "Grauen Haus" in U-Haft, muss sich den Schwachsinn seines Mithäftlings anhören und sich überlegen, wie er seine Unschuld beweisen kann.

Aber erstens ist er jetzt schon einmal vorverurteilt und stigmatisiert, und selbst wenn die Unschuld bewiesen ist: Es bleibt immer etwas haften. Und zweitens ist alles ganz anders – doch es dauert noch ein paar hundert Seiten, bis Gradoneg die wahren Hintergründe erfährt und dabei einen alten Bekannten aus Oschishnigs "TodesSchmäh" wiedertrifft. Einmal mehr überzeichnet der Autor die Menschen seiner Heimatstadt und stattet sie dabei liebevoll mit einer ordentlichen Portion Grant und Ungustiösität aus. Nicht nur die Bösen, sondern auch die Guten.