"Nichts hinter mir, alles vor mir, wie das unterwegs immer so ist" - ein viel zitierter Satz aus Jack Kerouacs berühmtesten Roman "Unterwegs" ("On The Road"). Kerouacs Stil ist geprägt vom Jazz, besonders vom Bepop, hektisch bis fiebrig, scheinbar spontan und scheinbar ohne nachträglicher Bearbeitung. Damit wurde der Autor, dessen Geburtstag sich am 12. März zum 100. Mal jährt, zum Mitbegründer und zur Ikone der Beat-Generation. Kürzlich erschienen zwei Neuübersetzungen.

Kerouac erblickte 1922 in Lowell (US-Bundestaat Massachusetts) das Licht der Welt. In der franko-kanadischen Familie wurde ein französischer Dialekt gesprochen, erst mit der Einschulung lernte Jean-Louis Kerouac (so sein Taufname) Englisch. Seinen ersten Roman verfasste er nach eigenen Angaben als Kind. "Habe das Schreiben immer für meine Pflicht auf Erden gehalten", hielt Kerouac einmal fest.

Der Tod des Bruders als Trauma

Der frühe Tod seines Bruders war für den damals vierjährigen Kerouac traumatisierend (später verarbeitet im Roman "Visions Of Gerard), der Vater, ein Trinker und Spieler starb 1946. An der Columbia Universität in New York lernte Kerouac Allen Ginsberg und William S. Burroughs kennen, beide ebenfalls wichtige Vertreter der Beat-Generation, ein Begriff der Anfang der 1950er-Jahre auftauchte. Kerouac blieb nur ein Jahr an der Uni, trat in die Handelsmarine ein (währenddessen er sein erst 2011 publiziertes Buch "The Sea Is My Brother" schrieb) und zog dann nach New York.

1950 erschien der Roman "The Town And The City", der durchaus Kritikerlob, aber kaum Absatz fand. Mit dem rastlosen Neil Cassady, dessen Art zu sprechen Kerouacs Schreibstil mitbeeinflusste, unternahm Kerouac lange Trips durch die USA und nach Mexiko. Jazz, Alkohol, Drogen und sexuelle Abenteuer, aber auch Schlägereien, waren Wegbegleiter. Innerhalb von nur drei Wochen soll der Autor, befeuert von den Erlebnissen dieser Reisen, die Erstfassung von "Unterwegs" zu Papier gebracht haben. Das Buch, stark gekürzt und von vielen Verlagen abgelehnt, wurde zu einer Bibel der Gegenbewegung der 1960er-Jahre.

Neue Übersetzungen

"Denn die einzig wirklichen Menschen sind für mich die Verrückten, die verrückt danach sind zu leben, verrückt danach zu sprechen, verrückt danach, erlöst zu werden, und nach allem gleichzeitig gieren - jene, die niemals gähnen oder etwas Alltägliches sagen, sondern brennen, brennen, brennen wie fantastische gelbe Wunderkerzen", bringt Kerouac in "Unterwegs" die Lebenseinstellung der Beats auf den Punkt. Es galt mit den Konventionen im Amerika der Fünfziger zu brechen und auszubrechen, obwohl Kerouac zugleich das Loblied auf Amerika singt.

Der 1958 erstveröffentlichte Roman "The Dharma Bums" bekam einst den deutschen Titel "Gammler, Zen und hohe Berge" verpasst. Die Neuübersetzung von Thomas Überhoff heißt nun "Die Dharma-Jäger". "Desolation Angels" von 1965 gibt es in Neuübersetzung von Jan Schönherr als "Engel der Trübsal" (vormals: "Engel, Kif und neue Länder") erstmals ungekürzt auf Deutsch. Beide Fassungen sind gelungen und bringen Prosa sowie Rhythmus der Originale, vom Feuilleton lange zu Unrecht verrissen, adäquater zur Geltung, fast hat man beim Lesen das Gefühl, Kerouac trägt den Inhalt selbst vor.

"On The Road" brachte Kerouac Ruhm, aber auch Unverständnis, mit beiden kam er nicht klar. Präsentierte sich Kerouac bei der Promotion zu "Unterwegs" in der Steve Allen Show noch als gut aussehendes, liebenswert schüchternes "Sprachrohr einer Generation", zeigen 1968 entstandene Aufnahmen einer Gesprächsrunde "einen betrunkenen, zerknautschten Jack Kerouac", wie der amerikanisch-österreichische Schriftsteller John Wray, im Nachwort zu "Engel der Trübsal" anmerkt. Der "Homer der Hipster" ("Der Spiegel"), der "Erfinder" der spontanen Prosa, der in den Fünfzigern wie im Rausch Bücher verfasste, war zunehmend verbittert, äußerte sich antisemitisch und schwulenfeindlich, zog sich zurück und trank sich in den Tod (21. Oktober 1969) mit 47 Jahren. (apa)