Noch hat Österreich seinen Einsatz als Gastland der Leipziger Buchmesse 2023 gar nicht über die Bühne gebracht, da steht bereits fest, wer auf Rot-Weiß-Rot nachfolgt: Die Niederlande und die belgische Region Flandern werden 2024 gemeinsam die Rolle als Gastland stemmen. Die Veranstalter kündigten am Freitag ein "imposantes Literaturfest" an.

Die Leipziger Buchmesse sei für die niederländische und flämische Literaturszene seit vielen Jahren ein zentraler Schlüssel für die Erschließung des deutschen und damit auch des internationalen Buchmarkts, erklärte Tiziano Perez, Direktor der Niederländischen Stiftung für Literatur. Es sei geplant, Übersetzungen ins Deutsche zu fördern und viele Autorinnen und Autoren zum Lesefestival "Leipzig liest" zu bringen.

Die Niederlande und Flandern waren bereits 2016 in der Kombination Gastland der Frankfurter Buchmesse. Die Veranstalter planen eine breit angelegte Kampagne zur Präsentation niederländischsprachiger Literatur in Deutschland, die schon in diesem Jahr beginnt. Vorgesehen ist unter anderem eine Beteiligung an bundesweiten Festivals.

Freude über Preise für kleine Verlage

Große Freude herrscht beim Grazer Droschl Verlag nach der Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse an den israelischen Autor Tomer Gardi für seinen Roman "Eine runde Sache". "Wir haben nicht damit gerechnet, eine Art Titelverteidiger zu werden und heuer noch einmal zu gewinnen", so Verlagsleiterin Annette Knoch. Im Vorjahr war die Deutsche Iris Hanika für ihren bei Droschl erschienenen Roman "Echos Kammern" ausgezeichnet worden.

"Besonders schön war es, nach der Online-Vergabe im Vorjahr diesmal live neben unserem Autor Tomer Gardi in der Glashalle der Leipziger Messe zu sitzen und als Team zu feiern." Auch, wenn die Messe heuer nicht stattfindet, habe man so "zumindest ein bisschen Messeluft schnuppern" können. Besonders freut sich Knoch auch darüber, dass nach der Absage großer Verlagshäuser bei der Preisverleihung nun drei unabhängigere, kleine Verlage prämiert wurden. Neben Droschl in der Kategorie Belletristik gewannen am gestrigen Donnerstag auch kookbooks (in der Kategorie Sachbuch/Essayistik mit Uljana Wolfs "Etymologischer Gossip: Essays und Reden") und in der Kategorie Übersetzung die Übersetzerin Anne Weber für Cécile Wajsbrots Roman "Nevermore", der im Wallstein Verlag erschienen ist. Knoch freut sich nun, gemeinsam mit anderen unabhängigen Verlagen am aufgrund der Absage ins Leben gerufenen "Buchmesse Pop Up" teilzunehmen. Schön sei es auch, dass nicht zuletzt auch durch Österreichs Gastland-Präsentation "Österreich hier derzeit in aller Munde" sei.

Eine Gratulation für Tomer Gardi und den Droschl Verlag kam auch von Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne): "Tomer Gardi hat sich sein eigenes Literaturdeutsch erfunden und schreibt am Puls der Zeit, indem er das Thema Sprache und Identität umkreist", so Mayer in einer Aussendung. Sein Roman "Eine runde Sache" sei "experimentell und traditionell, exzessiv und verrückt, traurig und heiter". Der Grazer Literaturverlag Droschl habe "wieder einmal gezeigt, dass er eine der ersten Adressen für neue, aufregende österreichische und internationale Gegenwartsliteratur ist". (apa /dpa)