Ein junger Mann verliert bei einem Autounfall beide Eltern und sein Augenlicht, geht daraufhin ins Kloster - und 15 Jahre später kann er nach einem weiteren tragischen Ereignis wieder sehen. Unglaubwürdig? Stimmt, denken sich auch Pressefotograf David Bronski und seine Kollegin/Geliebte Svenja Spielmann. Also beginnen sie zu recherchieren, um den Lügner zu entlarven. Und der vermeintliche Lügner entpuppt sich als echtes Wunder, das plötzlich auch noch seherische Fähigkeiten entwickelt und ein Unglück vorhersagt.

Doch während die Welt dem geheilten Mönch Erich Corga zu Füßen liegt, werden David und Svenja zunehmend misstrauisch. Vor allem, weil ein bisschen zu viele Leichen im Spiel sind, die irgendwie mit dem Mönch zusammenhängen. Daraus entwickelt sich ein perfides Katz-und-Maus-Spiel, in dem beide Seiten wissen, dass die jeweils andere mehr weiß oder zumindest ahnt, als ihr selbst lieb ist. Als dann auch noch Davids Schwester Anna, eine Privatdetektivin mit fragwürdigen Beziehungen zur libanesischen Mafia, zu graben beginnt und die Redaktion seine in Band eins wieder aufgetauchte Tochter Judith ebenfalls auf Corga ansetzt, wird es richtig gefährlich.

Bernhard Aichner zeigt einmal mehr keine Gnade für seine Protagonisten und zeichnet neben einer dramatischen Haupthandlung auch einerseits ein Sittenbild der Medienwelt, während er andererseits die Mühen der Ebene nach dem Happy End (wenn man es so nennen kann) schildert. Sprich: Bronski muss sich immer noch erst daran gewöhnen, seine als Baby entführte und nun erwachsene Tochter wieder zu haben und Vater zu sein. Judith wiederum muss ebenfalls mit ihrem neuen Leben klarkommen, während ihrer plötzliche Erfolg als Journalistin zu Kopf steigt. Anna hadert mit ihrer eingeschlagenen Ehe. Und Svenja hätte bei allem Mitgefühl für Judith gerne mehr von deren Vater. Eine schwierige Konstellation, die einiges an Zündstoff enthält - und trotzdem längst nicht das größte Problem darstellt in diesem Thriller, der teilweise schon auch etwas ins Absurde abgleitet.

Man muss die beiden ersten Bronski-Thriller nicht gelesen haben, um in "Brennweite" einsteigen zu können. Es hilft aber dabei, die Verquertheit der Figuren besser zu verstehen. Brutal und wendungsreich, wie man es von Aichner kennt. Das beeindruckt sogar seinen berühmten Kollegen Sebastian Fitzek.