Sie war der Hauptumschlagsplatz für den Fernhandel zwischen Skandinavien, Westeuropa, dem Nordseeraum und dem Baltikum: die Wikingersiedlung Haithabu, die heute ein Freilichtmuseum ist. Und sie ist Schauplatz des neuen Kindersachbuchs der "Dusty Diggers"-Reihe des Verlags E.A. Seemann. Autorin Silke Vry und Illustratorin Marie Geissler tauchen in diesem dritten Band ein in die Welt der Wikinger und beleuchten vor allem die Erforschung von Haithabu in den vergangenen 150 Jahren. Denn die Archäologie selbst finden sie mindestens ebenso spannend wie das, was sie untersucht. Und so stehen neben den Wikingern hier auch ihre Entdecker im Fokus. Und bei Haithabu kommen zum Beispiel auch die Nazis ins Spiel. 

Die und auch alles andere versucht Silke Vry möglichst kindgerecht zu erklären, wobei sie viele Aspekte nur anstreift. Dazu dient neben Marie Geisslers anschaulichen Zeichnungen auch ein Glossar am Ende des Buches. Vor allem rückt sie jedenfalls das doch immer noch in vielen Kinderbüchern mit Klischees besetzte Bild von den Wikingern zurecht. Ja, sie waren sicher tapfere Krieger - auch. Vor allem aber waren sie Handelsleute und natürlich begnadete Seefahrer, die es bis nach Amerika geschafft haben, wie man heute weiß, und zwar lange vor Christoph Kolumbus. 

Wild geht es also letztlich bei "Wilde Wikinger in Sicht" doch nur im Titel zu, der Rest des Buches ist eher gesittet - und manch einer mag den kriegerischen Aspekt vermissen. Aber dafür gibt es halt die vielen anderen Kinderbücher mit wilden Wikingergeschichten. Hier bei den "Dusty Diggers" steht Faktenwissen im Vordergrund.