Wer hat Angst vor Geistern? Doch nur, wer an Geister glaubt. Und Florentine Blix glaubt vieles, aber sicher nicht, dass es Geister gibt. Das geht sich rein physikalisch nicht aus, stellt die 13-Jährige gleich zu Beginn von Alice Pantermüllers neuem Kinderkrimi "Die außergewöhnlichen Fälle der Florentine Blix" klar. Tja, wenn sie sich da mal nur nicht täuscht. Denn schon bald hat es Florentine - die man bloß nicht Flo nennen darf - offenbar mit einem echten Geist zu tun. Was heißt mit einem? Irgendwann sieht sie richtig viele Gespenster. Und das ist schon für "normale" Leute eine schwierige Sache - wie aber geht es erst jemandem wie Florentine, die wohl (auch wenn es die Autorin nicht offen ausspricht, aber ihre Protagonistin so schildert) Asperger hat, was bedeutet, dass sie so schon mit Veränderungen und der Eigenwilligkeit ihrer Mitmenschen nur schlecht klarkommt?

Nun, überraschenderweise gewöhnt sich unsere Heldin rascher als gedacht daran, dass etwas ist, was eigentlich nicht sein kann. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass die Geister, die sie sieht, erstens keine bösen sind und ihr zweitens dabei helfen, einen echten Kriminalfall zu lösen. Und ihr größter Wunsch ist es, nach der Schule bei der Kriminalpolizei anzufangen. Konkret geht es um ihren neuen Mitschüler Bo aus Dänemark, der sie eigentlich erst tierisch nervt, ehe er - und auch sie - in Gefahr gerät und aus der Ich-schaffe-mir-Bo-vom-Hals-Mission eine Rettungsaktion wird, die sich um ein mutmaßliches Verbrechen, eine unterschlagene Erbschaft und betrügerische Cousins dreht. Sogar einen echten Mord vermutet Florentine.

Tote gibt es jedenfalls in dieser Geschichte - aber keine Angst. Am Ende sind die Verstorbenen respektive deren Geister zwar echt, aber wirklich nicht gruselig, im Gegenteil. Autorin Alice Pantermüller bleibt ihrem schon aus den "Lotta"-Büchern bekannten Stil treu und erzählt auch diesen Krimi mit viel Witz und Charme. Und eben auch einem Herz für Aspergerianer. Daniela Kohl steuert anschauliche Bilder bei, die auch ein bisschen der Orientierung im beschaulichen Flensburg dienen, wo Florentines Geschichte spielt, in Sichtweite zu Dänemark, das hier eine wichtige Rolle spielt. Und wer mag, kann dabei auch ein bisschen Dänisch lernen. Ein toller Auftakt für eine neue Kinderkrimireihe mit einer durch und durch sympathischen Heldin, deren schrullige Eigenschaften man einfach mögen muss.