Was wird aus unserer Welt, wenn wir so weitermachen? Nichts Gutes, meinen die zahlreichen Autorinnen und Autoren von Dystopien. Eine solche Endzeit-Geschichte ist nun im Hörspielverlag Folgenreich erschienen. Und gegen das, was die Überlebenden einer großen Katastrophe in "Und auf Erde Stille" durchgemacht haben und durchmachen, ist die aktuelle Corona-Pandemie ein Kindergeburtstag.

Die Zivilisation: zerstört. Die Menschen: auf sich allein gestellt. Die Hoffnung: verschwunden. Das ist der Stoff, aus dem "Und auf Erden Stille" gemacht ist. 
- © www.folgenreich.de

Die Zivilisation: zerstört. Die Menschen: auf sich allein gestellt. Die Hoffnung: verschwunden. Das ist der Stoff, aus dem "Und auf Erden Stille" gemacht ist.

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Der Klimawandel trifft hier auf gleich zwei Virus-Pandemien: Die eine lässt alle männlichen Nicht-Weißen nach der Geschlechtsreife sterben (was teilweise zu Matriarchaten führt), die andere löst Hyperakusis aus. Wobei diese krankhafte Geräuschüberempfindlichkeit sich sogar noch als Glück im Unglück für jene 200 Überlebenden erweist, die mit ihem Anführer Krzysztof in einem Bergwerk überlebt haben, weil sie so durch intensiven, wenn auch schmerzhaftes Lauschen rechtzeitig vor Angriffen der draußen marodierenden Horden gewarnt werden.

Womit wir beim im Titel erwähnten George Clooney wären - oder besser gesagt: bei seiner deutschen Stimme. Denn sein Synchronsprecher Detlef Bierstedt fällt sofort auf unter den mehr als drei Dutzend Stimmen, die hier zu hören sind. Die Handlung springt dabei immer wieder hin und her. Während der Hauptstrang davon erzählt, wie die 16-jährig Rhiannon aus dem Bergwerk geschickt - um nicht zu sagen: verstoßen - wird, um ihren Vater zu finden, der in Zusammenhang mit einem der beiden Viren gebracht wird, wird rundherum nach und nach die ganze Szenerie aufgebaut: mit einem tödlichen Virus, das einem Militärlabor in Nordafrika entstammt; einer zweiten Seuche, die eigentlich dazu gedacht war, die Menschheit gegen den zunehmenden Zivilisationslärm zu sensibilisieren und damit zur Umkehr zu bewegen; Journalisten, der dem Ganzen auf der Spur sind und sich dabei in tödliche Gefahr begeben.

Trotz vieler Sprünge ist das Hörspiel so aufgebaut, dass man allen Handlungssträngen gut folgen kann und die losen Fäden irgendwann ein dystopisches Netz ergeben, in dem Atomkraftwerke verlassen und havariert sind, New York bloß noch eine Ansammlung von Ruinen ist, in der Gangs gegeneinander ums Überleben kämpfen - und von der Zivilisation, wie wir sie kennen, überhaupt kaum noch etwas vorhanden ist.

Das ist auch das Kernthema der Geschichte: Was passiert, wenn sich unsere Gesellschaft irgendwann tatsächlich zu Tode modernisiert hat? Wenn alles aus welchem Grund auch immer zusammenbricht und der einzelne Mensch auf sich und seine Fähigkeiten zurückgeworfen ist? Wenn das Geldsystem wertlos und Landwirtschaft, wie wir sie kennen, nicht mehr möglich ist? Eine gruselige Vorstellung, die hier plastisch wird. Und auch wenn man kein gutes Ende dabei erwarten kann, fiebert man trotzdem bis zum Schluss mit Rhiannon mit, ob zumindest sie überleben wird.