Eigentlich ist es das falsche Motiv. Denn während das Cover von Beate Maxians "Ein letzter Walzer" den Garten des Wiener Belvederes zeigt, wird der erste Mord in ihrem neuen Buch im Stadtpark begangen, unweit der goldenen Johann-Strauss-Statue. Und der Walzerkönig spielt eine nicht unwichtige Rolle, wandelte doch einer der beiden Ermordeten auf seinen Spuren und war zwar nicht als Komponist, aber als Dirigent selbst ebenfalls ein wahrer Walzerkönig. Jetzt aber ist Marko Teufel tot - und mit ihm seine Managerin und Geliebte Jasmin Meerath.

Ein Fall von solcher Tragweite ruft natürlich sehr rasch die Wiener Journaille auf den Plan, und da mittendrin Sarah Pauli, die Chefredakteurin des "Wiener Boten", der natürlich absolut seriös über die Causa berichtet - und über Informationen aus erster Hand verfügt, weil Sarah nämlich mit dem Kriminalisten Martin Stein kooperiert: Er hält sie auf dem Laufenden, dafür dreht  sie als Medienfrau Steine um, die er auf dem Ermittlungsweg womöglich übersehen hätte. Ja, sie sind schon ein erfolgreiches Gespann, der Kieberer und die Journalistin, und das nun schon in zwölf Krimis, die Beate Maxian geschrieben hat. Jeder davon setzt ihrer zweiten Wahlheimat Wien (die Autorin ist gebürtige Münchnerin und lebt auch am Attersee) ein ganz eigenes Denkmal, diesmal ist es vor allem ein musikalisches. Denn "Ein letzter Walzer" dreht sich um die Wiener Klassikszene - mit Jazz-Einschlägen - und macht auch einen Abstecher nach Graz (Spoiler: Hier gibt es einen kleinen Sidestep für Fans von Claudia Rossbachers Steirer-Krimis).

Handwerklich geschickt wie gewohnt, zieht Maxian einen Plot auf, in dem zunächst niemand so richtig und damit alle ein bisschen verdächtig sind; irgendwann kommt man aber als Leser doch zu dem Schluss, dass die gar nicht trauernde, weil betrogene Witwe wohl eher doch nicht die Hauptverdächtige ist (zumal die Autorin auch ihren Umgang mit der ganzen Causa in den Mittelpunkt rückt, und da würde das einfach nicht passen), sondern schießt sich auf eine andere wichtige Figur ein - und liegt damit goldrichtig. Wobei das Ende nicht schnurgerade daherkommt, sondern noch ein paar Wendungen nimmt, bevor die Pauli endlich im "Wiener Boten" ihre große Abschlussgeschichte über den Mordfall Teufel/Meerath abdrucken kann. Ganz seriös natürlich, versteht sich.

Positiv zu vermerken ist dabei, dass die Autorin von Beginn ihrer Krimireihe an ganz bewusst die Journalistin mit dem Polizisten zusammenarbeiten lässt. Hier ist nicht eine Privatperson schlauer als die Kriminalisten und findet den Täter vor der Polizei, sondern es ist ein symbiotisches Verhältnis, das zwar vielleicht auch nicht so ganz der Realität entspricht, aber zumindest wirkt das Ganze authentisch konstruiert, und zwar ganz ohne Reibereien - im Gegenteil.

Die entspannte Stimmung zwischen Stein und Pauli, dieses traute nebeinander her Ermitteln, bei dem ein Informationsvorsprung sofort mit dem anderen geteilt wird, nimmt dem Roman keineswegs die Spannung. Die entsteht auch weniger aus wilden oder gar brutalen Szenen, sondern eher aus der kriminalistischen Kopfarbeit. Und aus den vielen Brotkrumen, die Maxian quasi ihren Lesern zuwirft, auf dass sie selbst die richtige Spur finden mögen, bevor die Stadtpark-Tauben sie aufgepickt haben. Vor allem der Dreh, neben Paulis Nachforschungen der Witwe eine zweite Handlungsebene zu geben, hat sich ausgezahlt.