Korruption und Ausbeutung stehen im Zentrum von Peter Glanningers neuem Krimi "Blutgrund", der in der St. Pöltner Bauwirtschaft spielt. Auch wenn Personen und Handlung frei erfunden sind und das Motiv für einen brutalen Überfall und einen Mord etwas überzogen wirkt - die zugrundeliegenden Missstände könnten leider allzu authentisch geschildert sein. Denn dass es um die Situation von Wanderarbeitern, die aus dem Osten geholt werden und auf heimischen Baustellen landen, nicht unbedingt zum Besten steht, liegt auf der Hand.

In seinem neuen Buch spinnt Glanninger daraus einen spannenden Krimi, bei dem es weniger darum geht, die Täter und ihre Hintermänner zu erraten, sondern diese zu entlarven und zu überführen. Ein Konzept, das schon bei "Columbo" funktioniert hat und das auch bei Glanninger aufgeht. Nur dass sein Protagonist, der LKA-Inspektor Thomas Radek, wesentlich ungestümer, ungeduldiger, unleidlicher, gestresster und gereizter ist als der italo-amerikanische Inspector.

Glanninger zeichnet einen Polizisten, der zwar einerseits fest an die Unschuldsvermutung und das Gute in den meisten Menschen glaubt, der aber andererseits auch schon gehörig desillusioniert und frustriert ist. Vor allem, wenn er genau merkt, dass der von einem Zeugen "verarscht" wird, wie er es nennt, weil der sich nicht die volle Wahrheit zu sagen traut (warum auch immer). Und er sich nachher von genau diesem Zeigen anhören muss, dass er nicht richtig ermittle. Da können einem auch schon einmal die Sicherungen durchgehen, zumindest verbal.

Es ist also ein hartes Stück Arbeit, bis auf der Seite der Guten alle erkennen, dass sie an einem Strang ziehen müssen, um die Bösen zu Fall bringen zu können. Und selbst dann läuft die Kooperation zwischen Polizei und Zivilpersonen nicht ganz friktionsfrei; vor allem, wenn es sich um zwei LKA-Beamte, eine Journalistin und einen linken Lokalpolitiker/Aktivisten handelt, die per se durch leidvolle Lebenserfahrung eine gewisse Skepsis bis Abneigung den jeweils anderen gegenüber aufgebaut haben. Die gilt es erst einmal zu überwinden. 

Dem Autor, der wie schon in seinem grandiosen Debüt "Finsterdorf" auch in "Blutgrund" die dunklen Seiten der menschlichen Existenz ergründet, kommt bei all dem zugute, dass er selbst jahrelang im Polizeidienst tätig war. Somit kennt er auch interne Abläufe und Methoden - auch was das Weiterreichen von zunächst unliebsamen Fällen zwischen verschiedenen Dienststellen betrifft. Ein Glück - auch für den Leser -, dass sein Ermittler Radek letztlich am Fall dranbleibt. Bleibt zu hoffen, dass seine Schilderungen in Bezug auf die heimische Bauwirtschaft letztlich doch übertrieben sind. Zu befürchten ist allerdings eher das Gegenteil.