Was wird eigentlich aus einem Pony, das nicht mehr für Turniere taugt? Diese Frage hat sich die zwölfjährige Olivia bisher nie gestellt - doch dann übersiedelt sie zu ihrer Mutter, weil der Vater zur neuen (schwangeren) Freundin nach Japan zieht, und dabei verschlägt es Olivia von der Großstadt Berlin in ein Dorf nahe Mainz und mitten auf einen Pferdeschutzhof (Gnadenhof sagt man nicht mehr), den ihre Mutter für eine Stiftung aufzieht. Und so erlebt die Tochter hautnah die Rettung von alten, kranken und vor allem verwahrlosten Tieren mit.

Allerdings mit Anlaufschwierigkeiten. Denn der künftige Schutzhof beherbergt neben einem netten alten Ehepaar auch einen Reitstall, dessen ehrgeizige Chefin erstens überhaupt nicht einsieht, dass nun in den Boxen unansehnliche Tiere landen sollen (das ist doch ihren Kunden optisch nicht zumutbar, und außerdem schleppen die womöglich Krankheiten ein); zweitens schlägt Olivias Mutter - die viel, sogar sehr viel Ahnung von artgerechter Pferdehaltung hat - ob Frau Kesselbrinks Trainingsmethoden die Hände über dem Kopf zusammen. Was bei Olivia wiederum die Sorge groß werden lässt, dass sie womöglich deshalb bei Frau Kesselbrink keinen Reitunterricht bekommen könnte.

Aus dieser Konstellation heraus erzählt Sarah Lark einen recht klassischen Mädchen-und-Pferde-Roman, in dem es einerseits um die Liebe zu den Tieren, um artgerechte Haltung und um Konkurrenz unter Turnierteilnehmerinnen geht und andererseits um Elterntrennung - und auch um Alltagsrassismus, den die Autorin zwischendurch ein bisschen einstreut. Ihre Protagonistin Olivia hat nämlich eine deutsche Mutter und einen ghanaischen Vater und somit dunkle Haut, was für manche pikante Szene sorgt. Alles in allem ein solide erzählter Auftakt zu einer neuen Reihe, die in erster Linie Mädchen anspricht, aber auch für Buben und Männer durchaus interessant zu lesen ist. Eben weil Sarah Lark auch viel Wissenswertes einbaut.