Was gibt es Schöneres, als direkt am Waldrand zu wohnen, wo man ohne Zaun einfach strawanzen kann und sogar neue Freunde findet, mit denen man sich eine Räuberhütte einrichten kann wie weiland Robin Hood? So geht es Arthur, dem Protagonisten von Leonora Leitls neuem Buch "Kaiserschmarrn", dessen Titel sich erst nach und nach dem Leser erschließt, weshalb es auch einen Untertitel hat: "Mein genialer Sommer mit Ziege" trifft es genau - wobei, naja, ganz so genial ist es dann doch nicht. Weil nämlich erstens besagte Ziege durch einen kleinen Unfall mit einem Säckchen selbst abgefüllter Kräutermischung plötzlich zu sprechen beginnt und tierisch nervt, weil sie sich für einen Kaiser hält (daher der Buchtitel) und Arthur und seine neuen Freunde Fanny und deren Bruder Freddy sowie Arthurs großen Bruder Ossi (zu dem kommen wir gleich noch) wie seine Untertanen behandelt.

Viel schlimmer und nerviger ist aber zweitens, dass Arthurs Vater, ein Architekt, sich in den Kopf setzt, mitten im Wald ein Baumhaus zu bauen. Aber nicht etwa so ein kleines zum Spielen für Arthur und seine Freunde, sondern ein durchdesigntes, repräsentatives für seine Kunden. Und das wiederum lässt Fannys und Freddys Vater, der als Schamane und Bäume-Umarmer das genaue Gegenteil ist, natürlich die Grausbirnen aufsteigen. Da ist eine Eskalation programmiert. Aber Gottseidank gibt es die Mamas, die am Ende die Papas in Schach halten, natürlich mit tatkräftiger Hilfe der Kinder, die sich ganz schön was einfallen lassen, um die Situation zu retten - und nebenbei einen Schatz finden. Ja, und dann ist da auch noch Arthurs Verhältnis zu seinem viel älteren Bruder Ossi, das am Anfang klassisch uneinträchtig ist, aber im Laufe des Buches immer besser wird. Weil die beiden draufkommen, was sie aneinander haben.

Das Zusammenleben innerhalb von Familien und den Umgang mit der Natur: Diese beiden Themen bearbeitet Leonora Leitl in ihrem Buch und verwebt sie zu einer höchst unterhaltsamen Geschichte, wobei der sprechenden Ziege eine enorm wichtige Funktion zukommt. Erstens treibt sie durch ihre Handlungen ebenso wie Arthurs Papa den Plot voran; zweitens ist sie so schräg, dass kindliche Lacher garantiert sind. Und die Autorin erweckt ihre Figuren nicht nur durch ihre Texte, sondern auch durch bunte, ausdrucksstarke Bilder zum Leben, zu denen auch eine Karte vom Wald und den Handlungsorten gehört, sodass man die Geschichte schön mitverfolgen kann. Es ist ein Kinderbuch, das als Gesamtkonzept einfach wunderbar funktioniert.