Spieglein, Spieglein an der Wand, was zeigst du mir? Natürlich genau das, was du siehst. Unverfälscht, unbeschönigt, naturgetreu. Und genau das ist es, was den Spiegeln zu schaffen macht, erzählt Penny, der Spiegel, in Dave Bells und Martin Nicolaussons gleichnamigem Buch. Denn wenn die Leute finster  oder blöd dreinschauen, dann müssen auch ihre Spiegelbilder finster oder blöd zurückschauen. Und dann sind die Leute grantig. Und wer darf es ausbaden? Natürlich die Spiegel.

Was also tun? Gute Miene zum bösen Blick zum Beispiel. Denn nach Jahrhunderten des Leidens haben die Spiegel irgendwann beschlossen, sich einfach nicht mehr die Laune verderben zu lassen und Superhelden der Nettigkeit zu werden, erzählt Penny. Weil man sich nicht die eigene gute Laune von der miesen der anderen Leute verderben lassen sollte.

Das ist die Moral der kurzen Geschichte, die Dave Bells in einfachen, klaren Worten und Martin Nicolaussons in großen, ebenso klaren Bildern erzählen. Und noch eine zweite Lehre kann man daraus ziehen: Falls das Spiegelbild doch einmal das, was es sieht, genauso zeigt, dann kann der Spiegel nichts dafür. Wer also nett angeschaut werden will, sollte auch selbst nett hineinschauen. Und seinen Frieden machen mit der Person, die er im Spiegel sieht. Denn nur, wer sich selbst mag, kann auch andere gut mögen.