Wenn man mit Pater Sandesh Manuel ein längeres Gespräch führt, dann kommt unweigerlich eher früher als später der Moment, wo er verschmitzt eine Pointe loslässt aus seinem inzwischen reichen Erfahrungsschatz als Inder in Wien, bei der man einfach mit ihm mitlachen muss. Denn der Franziskaner, der 1980 in Bangaluru im indischen Bundesstaat Karnataka geboren wurde und Kannada spricht (allein diese Namensähnlichkeit mit dem weit entfernten nordamerikanischen Land ist einen Gag wert), ist eine Frohnatur. Kein Wunder, möchte man meinen, heißt sein Name Sandesh doch in seiner Muttersprache nichts anderes als "Frohe Botschaft". Und bei einem solchen Namen ist es doch naheliegend, dass man sich ganz dem Dienst an Jesus und seiner Kirche verschreibt und in einen Orden eintritt.

Halt, Klischee-Alarm! Bitte den Inder bloß nicht in eine Schublade stecken – das mag er nämlich gar nicht. Und das versucht er auch von der ersten Seite seines neuen Buches zu verhindern. "Der Herrgott hat gelacht" (der Buchtitel leitet sich von einem seiner erfolgreichsten YouTube-Videos ab) ist eine Art frühzeitige Memoiren des Franziskaners, der schon in Indien in den Orden eingetreten ist und dann in Österreich gelandet ist, wo er seit einigen Jahren als YouTuber für Furore sorgt. Und zwar nicht, weil ihm Selbstdarstellung wichtig wäre, sondern weil er seine frohe Botschaft unter möglichst viele Menschen bringen will. Und wenn es dazu teils lyrische, teils ulkige Musikvideos und eine Pokémon-Kappe braucht, dann ist das eben so. Denkt sich der Pater und liefert konstant Woche für Woche jeden Freitag einen neuen YouTube-Clip auf seinem Channel ab.

Der Herrgott hat gelacht von Sandesh Manuel 
- © (c) Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Muenchen

Der Herrgott hat gelacht von Sandesh Manuel

- © (c) Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Muenchen

In seinem Buch erzählt er nun seinen Werdegang und holt dabei ganz weit aus: Natürlich beginnt es mit der Geburt am 4. Jänner 1980 – oder besser gesagt: mit seiner Taufe im selben Jahr, bei der die beiden Taufpaten eine Autopanne hatten und eine italienische Ordensschwester einsprang, die ihn in der Folge mitprägte und für ihn im wahrsten Sinne des Wortes eine "Godmother" (was Taufpatin auf Englisch heißt) wurde. Sandesh erzählt auch, wie seine kleine Schwester ihn später vor dem Ertrinken in einem Fischteich gerettet hat, indem sie Alarm geschlagen hat; und auch ein Missbrauchserlebnis durch sein Kindermädchen spart er nicht aus. Bei all diesen Schilderungen schwingt aber diese Grundfröhlichkeit mit, die man bei ihm auch live erlebt, mit der er dem Leben und seinen Mitmenschen begegnet. Es ist kein naives, blindes Vertrauen in Gott und die Welt, aber wohl doch ein Glauben an das Gute in jedem Menschen. Und ja, es ist schon schwer, nicht in die Klischee-Falle zu tappen im Umgang mit diesem Parade-Inder, als den man ihn durchaus sehen könnte.

Und das ist der Kern der ersten Kapitel: Wir hier im Westen haben größtenteils aber sowas von überhaupt keine Ahnung, wie Indien ist, wie die dortige Gesellschaft aussieht (und können somit ja gar nicht beurteilen, was ein Parade-Inder ist), weshalb Sandesh erst einmal eine kleine Nachhilfestunde zu dem Subkontinent gibt, auf dem er vor nunmehr 42 Jahren geboren wurde. Das ist sehr aufschlussreich und ebenso spannend zu lesen wie sein Weg vom indischen Kloster auf die globale Online-Video-Plattform. Es sind die kleinen Anekdoten, die sein Buch so lebendig und lesenswert machen: Wie er zum Beispiel zehn Kilometer mit dem Rad ins nächste Krankenhaus fahren musste und im Stockdunkeln plötzlich das Wunder (ein Wort, mit dem er nicht leichtfertig umgeht) von plötzlich auftauchenden Glühwürmchen erlebte. Wenn er schildert, wie schwierig es für einen Inder ist, Deutsch zu lernen – gar nicht zu reden von Dialekten und Umgangssprache –, und von den Verständigungsproblemen eines Priesterkollegen erzählt, die dazu führten, dass ein Ministrant in der Messe bellte. Wie es ist, in einer acht Quadratmeter kleinen Zelle zu wohnen und sich sonst alle anderen Gemeinschaftsräume mit Mitbrüdern zu teilen, die man sich nicht ausgesucht hat. Ja, und natürlich auch, wie er zu der markanten Pokémon-Kappe gekommen ist, die auf seinen YouTube-Videos als Kontrast zu seinem braunen Habit ins Auge sticht und inzwischen zu einem Markenzeichen geworden ist. Es sind 172 interessante und kurzweilige Seiten, auf denen der Ordensmann aus Indien seine Leser nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch zum Nachdenken bringt.