Thomas Griessl, geboren 1958 in Graz, ist Gestaltpädagoge, Künstler und Autor. 
- © Milena Verlag

Thomas Griessl, geboren 1958 in Graz, ist Gestaltpädagoge, Künstler und Autor.

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Thomas Griessls zweiter Roman, "Heart of Gold", beschreibt ein Erwachsen-Werden in den 70er-Jahren. Jedes der 30 Kapitel steht unter dem Motto eines speziellen Songs. Neben Neil Young sind es u.a. die Stones, Queen, Tom Waits, aber auch Gianna Nannini oder The Knack ("My Sharona"), die den Weg des Protagonisten Klaus Dostal ins Erwachsensein begleiten und kommentieren.

Klaus Dostal ist (wie der Autor) 1958 in einem oststeirischen Dorf geboren. Doch gleich, welche Regionalität den jungen Menschen Grenzen gesetzt hat: Wer ungefähr derselben Altersgruppe angehört wie Klaus, wird sie beim Lesen wieder spüren, riechen, schmecken: die eigene Jugend.

Da sind etwa die Verheißungen des "Donauland"-Katalogs, und die unendliche, heute unvorstellbare Geduld, weil man drei Wochen auf die Lieferung warten musste - oder später noch länger auf den ersehnten Liebesbrief. Da ist die Zugfahrt durch Europa - und zu essen gab es eine Woche lang Baguette mit nichts. Oder per Austostopp zur Dorf-disco, und das Rauchen war noch keine Sünde, sondern nur cool.

Der Roman liest sich am besten mit Pausen. Nicht nur, weil die Kapitel in sich stimmige Kurzgeschichten sind, die mit dem jeweiligen Songtext abschließen. Da ist ja auch noch die Musik selbst, für die der Verlag eine Spotify-Playlist erstellt hat, mittels QR-Code abrufbar. Danke!

Pausen braucht man auch, weil man unweigerlich in ganz persönliche Erinnerungen kippen wird. Manchmal hat es sich ja genau so angefühlt wie bei Klaus Dostal, manchmal war man die/der "andere".

Lesepausen tun auch gut, weil die Sprache des Autors, um Wahrheit bemüht, manches Mal zu sehr am Literarischen festhält: "Wieder zurück in The Deep Town of Steiermark,(...) wieder bei diesem Beengtsein, das einzwängend und angestrengt versucht alles festzuhalten. Ein schädliches Zusammengehörigsein, ein folgenschweres Miteinander, das zu einer nicht aushaltbaren Verbundenheit, zu einer unauflösbaren, grauenvollen Intimität werden kann."

Die Leserinnen und Leser sehen zu, wie der Bursch da in seiner steirischen Enge um Kunstverstehen ringt (was ihm gelingt), sie sind aber letztendlich dank des dokumentarischen Stils vor der Ansteckung am allzu großen Jugendschmerz gefeit. Das Museale schützt übrigens auch den Protagonisten selbst, denn solange Klaus in der dritten Person geschildert wird, kann er auch nicht beschämt werden.

Mag man in dem Roman auch die eine oder andere Ironie vermissen, war es doch klug, dass Griessl beim Schreiben auf Slapstick und Brachialkomik verzichtet hat. Schließlich kennt man das doch, wenn die eigenen Gefühle rückwirkend durch die Arroganz eines blöden Lachens geschändet werden.

Thomas Griessls Geschichte ist hingegen so ernsthaft, wie man sich damals selbst genommen hat.