Meereshirten - wenn man den Namen der 1977 in Vancouver gegründeten Meeresschutzorganisation Sea Shepherd ins Deutsche übersetzt, klingt er eigentlich recht harmlos. Doch die Aktivisten von Sea Shepherd gelten als die radikalsten - nicht umsonst ist ihr Logo seit 45 Jahren ein Totenkopf - und scheuen auch keine direkten Konfrontationen mit Walfängern, wenn es darum geht, die Meeressäuger zu retten.

Das führt mitunter auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen die Umweltschützer Walfangschiffe rammen, Netze zerfetzen oder illegal operierende Fischer mit Stinkbomben bewerfen, ganz nach dem Motto von Paul Watson, dem Gründer von Sea Shepherd: "Wir sind keine Protest-Organisation. Wir schwenken keine Fahnen und bitten nicht unter Tränen um das Leben eines Tieres. Wir stoppen die Schlächter." Denn: "Wenn der Ozean stirbt, sterben auch wir."

Seine Mitstreiter sind allesamt Idealisten, wilde Kerle mit Tattoos und Bärten, aber viele Veganer, die vor ihrem Einsatz für die Rettung von Walen und anderen marinen Geschöpfen unterschreiben, dass sie bereit sind, ihr eigenes Leben in Gefahr zu bringen, und das ohne jegliche Gegenleistung. Ihnen sind das Abenteuer und das Wissen, unschuldigen Tieren das Leben zu retten, Lohn genug. Für die einen sind sie der "Schwarze Block" der Meere, für die anderen Helden.

Und nun, 45 Jahre nach der Gründung, widmet der Verlag Egmont der Organisation einen eigenen Comic. Der französische Zeichner Guillaume Mazurage verarbeitet darin seine Erlebnisse während der "Milagro V"-Kampagne von Sea Shepherd im Cortés-See in Baja California, an der er an der Seite von Captain Watson teilnehmen durfte. Er erzählt von der hektischen Befreiung eines Wales aus einem Schleppnetz und der Zufriedenheit, als es geschafft ist; die Tierschützer erläutern in sienem Comic, wie es um die Meere und ihre Bewohner steht und warum sie sich für sie so kompromisslos einsetzen; er beschreibt die Schönheit des offenen Meeres, aber auch seine Wildheit; er schildert nächtliche Kampfeinsätze - ja, so kann man es schon bezeichnen - und Drohungen gegen die Aktivisten.

Die Mischung aus Abenteuergeschichte und ökologischem Appell wurde im vorigen Jahr 2021 mit dem Maya Literaturpreis für Tierschutz ausgezeichnet. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass noch mehr davon folgt. Darauf lässt zumindest der Untertitel "1. Milagro" schließen. Mazurage arbeitet also wohl schon an einem zweiten Comicband. Man darf gespannt sein, ob er den ersten noch toppen kann.