Sie war eigentlich ein hoffnungsloser Fall, genauso wie ihr Jugendfreund Theo. Doch dann hat Kim Lansky mit Hilfe von Pater Helman irgendwie die Kurve gekriegt, und aus dem Ghetto-Kid wurde eine anständige Polizistin - und Theo sogar ihr Vorgesetzter. Wobei: So anständig ist sie dann auch wieder nicht, und in den vergangenen Jahren wurde Kim als heiße Kartoffel von einer Abteilung in die nächste weitergereicht, zwischendurch sogar abserviert, weil sie eben doch ein schwieriger Charakter ist. Jetzt bekommt sie eine allerletzte Chance, und zwar in der Abteilung für Vermisstenfälle.

Da wird sie mit einer mutmaßlichen Kindesentführung konfrontiert. Acht Minuten hat die Mutter ihre kleine Tochter alleine gelassen - acht Minuten, die genügten, um sie ihr wegzunehmen. Was aus Marie geworden ist, darüber rätseln nicht nur die verzweifelten Eltern und die Polizei, sondern auch die Leser. Immer wieder streut Autor Henri Faber in "Kaltherz" kleine Brotkrumen in Form von Einschüben, aus denen man sich einen Reim zu machen versucht. Und am Ende ist alles ganz anders, als man es sich zusammengereimt hat. Auch die Hintergründe der Entführung.

Bis sich alles auflöst, macht Kim einen psychischen Horrortrip durch, kommt verdeckten Ermittlern in die Quere, verzweifelt an ihrem Fall und auch an sich selbst. Und der Autor? Saß wohl am Rechner und rieb sich beim Tippen dieses Thrillers die Hände vor Vergnügen, seine Protagonistin (und nicht nur sie) so leiden und ausrasten zu lassen und seine Leser in die Irre zu führen. Ein starker Roman, der ganz schön an den Nerven zerrt.