Wer will nicht einmal im Leben einer Fee begegnen?

Feen sind doch etwas Wunderbares! Etwas Zuckersüßes. Denkt man an Feen, denkt man an Rosa und Himmelblau. So ein Mittelding sind Feen aus Michelle Pfeiffer, Demel-Auslage und Libelle.

Und jetzt ist gerade noch Zeit, das Wetter spielt ja mit, eine Fee zu suchen, um ihr zu ihrem internationalen Feiertag am 24. Juni zu gratulieren. Ihr Hauptverbreitungsgebiet ist der Wald. Sollten die Feen also, nebst Wildschweinen, auch im Wienerwald vorkommen: Ein Wunder wäre es nicht. Schließlich haben Elsie Wright und Frances Griffiths ihre Feen-Beobachtungen und -Fotos im Jahr 1917 auch auf einer Waldlichtung beim englischen Dorf Cottingley gemacht. Selbst Arthur Conan Doyle hat sie für real gehalten, und ein Sherlock-Holmes-Erfinder kann nicht irren.

Als kleines Feenfeiertagsgeschenk bieten sich Zauberstäbe, funktionierende, versteht sich von selbst, und Krönchen an. Wer etwas mehr Geld ausgeben will, schenkt ein Einhorn, eventuell mit Einhorn-Reitkurs in Avalon, oder gleich ein Zauberschloss.

Alles nur Mädchenkram?

Und man muss auch die Kinder früh genug an die Feen heranführen, etwa mit einem 400-Sticker-Set "Anziehpuppen - Feen und Elfen", mit "Glitzerspaß: Feen-Sticker", mit temporären Tattoos für Mädchen und einem Feen-Malbuch für Mädchen (merke: für Buben sind Feen offenbar nicht der richtige Umgang), mit Malen-nach-Zahlen.

Lauter Mädchenkram?

Mitnichten! - Auch als Erwachsener tut man gut daran, die Fee ins Alltagsleben einzubauen. Flavia Kate Peters etwa erklärt, wie das Zusammenleben funktioniert in "Die Kraft der Feen: Naturgeister rufen und mit ihnen arbeiten". Dass Feen auch um die Geheimnisse der menschlichen Schicksale wissen, kann man erleben dank Doreen Virtues "Das magische Orakel der Feen: 44 Karten mit Anleitung - Ein Klassiker der hilft, Vergangenes Revue passieren zu lassen und Neues zu empfangen". Je länger der Titel, desto feenhafter der Inhalt.

Oder wie wär’s mit Essen wie die Feen? "Kochen mit Elfen, Feen und Zwergen - vegetarisch und vegan: garniert mit Botschaften, Gedichten und Geschichten aus der Welt der Naturwesen" von Johannes Allgäuer gehört in jede Küche. - Quatsch?

Das sagt sich so leicht! Aber man stelle sich vor: Man sitzt des Abends nichts ahnend vor dem Fernseher, schaut zu, wie Harald Krassnitzer wieder einmal einen Pfarrer, der gerade Millionär geworden ist, also Kirche mit Kapital verbindet, als Lustmörder entlarvt, oder wie Österreich Dänemark von der Landkarte des Fußballs pfeffert (man wird ja noch träumen dürfen), es läutet an der Tür, man öffnet - und draußen steht eine Fee. Sinnenverwirrt stammelt man: Was darf ich anbieten? Und merkt im selben Moment, dass man im Kühlschrank nur noch eine halbe Stelze und ein paar Dosen Ottakringer hat.

Da schafft das Feen-Kochbuch Abhilfe. Natürlich nur, wenn man sich rechtzeitig vorbereitet und die richtigen Zutaten parat hat. Die sollte sich jeder unbedingt auf Vorrat legen, sonst dreht sich die Fee auf dem Absatz um und reitet davon auf ihrem Einhorn, und statt eines gemütlichen Zusammenseins mit Demel-Libelle als Michelle Pfeiffer oder Demel-Michelle-Pfeiffer sitzt man wieder bei Harald Krassnitzers Jagd auf kapitalistische Lust-Priester oder schaut zu, wie Dänemark Österreich von der Landkarte des Fußballs pfeffert, weil man zurück in der grauen Realität ist. So kommt‘s, wenn man die Fee nicht bewirten kann. Und eine Fee klingelt nicht zwei Mal.

Feen also sind etwas Wunderbares! Und was dieser Spielverderber dazu zu sagen hat, dieser Handschuhmacher-Sohn mit Dichterdünkel, der am Ende gar nicht selbst seine Schmierenkomödien geschrieben hat, sondern nur von dem sinistren Geheimagenten, Herrn Christopher Marlowe, vorgeschoben wurde, also: was dieser Herr William Shakespeare zum Thema Feen beigetragen hat, kann man getrost außer Acht lassen.

Oder sollte da am Ende gar was dran sein? Der "Midsummer Night’s Dream" macht schließlich schon eher den Eindruck eines veritablen Doku-Dramas.

Und die Feen darin? Also, da wäre ein eifersüchtelnder Feenkönig, eine Feenkönigin, die es nach Zweisamkeit mit einem Esel gelüstet, und ein boshafter Elf, der die heikle Liebeszauberessenz halt einmal quasi freihändig auströpfelt.

Und dann erst in den "Merry Wives of Windsor": Ja, eh, die Feen sind nicht echt, aber man darf davon ausgehen, dass die als Feen verkleideten Menschen sich genau so benehmen, wie sie es von Feen kennen, und als solche zwicken und zwacken sie den armen Sir John Falstaff grün und blau. Es ist wohl auch kein Zufall, dass der Komponist Benjamin Britten in seiner Vertonung des "Sommernachtstraums" den Feen ausgerechnet die Zupf- und Schlaginstrumente zudenkt. Da scheint höheres Wissen dahinter zu stecken. Die gute Fee aus dem Märchen könnte eines sein, ein Märchen nämlich.

Was heißt harmlos?

Hat sich was mit den angeblich lieblichen Feen! Morgan le Fay aus dem Artus-Sagenkreis ist keine der Guten, und der deutsche Ausdruck "gefeit sein" heißt, dass man vor Feenzauber geschützt ist. Wozu sich schützen, wäre der Zauber vorteilhaft? Dann sind da die Geschichten, dass man von Feen zum Gastmahl gebeten wird, also eine echte Feenmahlzeit bekommt, nicht die nachgekochte aus dem Feenkochbuch, und kaum hat man das Diner mit Erbsenblütenparfait und Tautropfenwodka beschlossen, kommt man drauf, dass man alt geworden ist dabei, weil es nach Menschenzeit so zwischen 50 und 70 Jahre gedauert hat.

Jetzt schaut die Sache mit den zuckersüßen Demel-Auslage-Michelle-Pfeiffer-Verschnitten anders aus, nicht wahr? Böse Biester sind diese Feen. Man kann die Hexenjäger des schottischen Mittelalters und der frühen Neuzeit verstehen, wenn sie Kontakte zu Feen als Indizien teuflischer Machenschaften gewertet haben.

Vielleicht aber ist es bei den Feen ganz wie bei den Menschen: Nicht alle sind gut, nicht alle sind böse. Deshalb sollte man, speziell bei Waldwanderungen, stets Morgan Daimlers "A New Dictionary of Fairies: A 21st Century Exploration of Celtic and Related Western European Fairies" mit sich führen, für den Fall des Falles, dass einem im Wienerwald etwas über den Weg läuft, das weniger wie ein Wildschwein und mehr wie Michelle Pfeiffer ausschaut.

Und hoffentlich auch Michelle Pfeiffer ist, und zwar die echte. Denn wer ist heutzutage schon gefeit gegen Feen?