Da möchte man ein Buchdruckerlehrling sein, der die Ausbildung absolviert hat: Der nasse Brauch des Gautschens fand am Freitag bei glühenden Temperaturen vor dem Gutenbergdenkmal beim Lugeck in der Wiener Innenstadt statt: Die  Absolventinnen und Absolventen "Der Graphischen" wurden einem Brauch der Druckbranche unterzogen, der seit 2021 Immaterielles Unesco-Kulturerbe ist.

Die Kornutinnen und Kornuten, wie man die Gäutschlinge auch nennt, werden dabei in einen Wasserbottich getaucht. Damit sollen, so die Legende, Fehler der soeben zu Ende gegangenen Ausbildungszeit abgewaschen werden.

Traditionelle Feier

Die diesjährige Gautschfeier, die der Verband Druck Medien anlässlich seines 150-Jahr-Jubiläums mit "Der Graphischen" veranstaltete, startete zu Mittag mit einem Umzug von der Grünangergasse 4 bis zum Denkmal des Erfinders des modernen Buchdrucks, wo schon der Wasserbehälter bereitstand - bei großer Sommerhitze für die 55 in historische Gewänder gekleideten Absolventen wohl ein höchst willkommener Anblick. Der Tross wurde von Trommlern begleitet, beim Bottich hatten sich Fanfarenbläser eingefunden. Insgesamt zählte die Veranstaltung, die zahlreiche Schaulustige anzog, rund 120 Teilnehmende.

Zur historischen Gautschfeier gehört auch ein Umzug durch die Wiener Innenstadt. 
- © apa / Georg Hochmuth

Zur historischen Gautschfeier gehört auch ein Umzug durch die Wiener Innenstadt.

- © apa / Georg Hochmuth

Gautschen bezeichnet ursprünglich den ersten Entwässerungsvorgang beim Schöpfen von Papier. Ab dem 16. Jahrhundert ist es beim Lehrabschluss als eine Art Freisprechungszeremonie belegt. Dabei werden die Lehrlinge in einem mit Wasser gefüllten Bottich untergetaucht bzw. auf einen nassen Schwamm gesetzt, um symbolisch vergangene Fehler abzuwaschen. Eine zentrale Rolle spielen die Packerinnen und Packer, die auf den Ruf "Packt an!" versuchen, die zu Gautschenden - die sich durchaus wehren dürfen - dem Nass zuzuführen. Der bzw. die Schwammhalterin überwacht unter den strengen Augen eines Gautschmeisters oder einer Meisterin die Zeremonie. Der Brauch wird in Österreich nicht nur beim Lehrabschluss, sondern auch beim Abschluss an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt, auch "Schule der Medien" genannt, bis heute praktiziert. (apa/gl/ad)