Was ist die Realität schon gegen eine gute Geschichte!" Das sei das Motto von Rolf Kauka gewesen, schreibt Bodo von Hechelhammer, der Mann, der sie erzählt, die Geschichte eben dieses Rolf Kauka.

"Fürst der Füchse" hat der langjährige Chefhistoriker des deutschen Bundesnachrichtendienstes seine Kauka-Biografie überschrieben. Viele Menschen in Österreich kennen von Rolf Kauka nämlich vor allem die Geschichten, die er in den von ihm geschaffenen Comics erzählt hat: die der beiden jungen Füchse Fix & Foxi zum Beispiel, aber auch die von Bussi Bär und Lupo. Wobei: Dass er all diese Figuren alleine erfunden und sie auch selbst gezeichnet hat, ist auch so eine von Kaukas Geschichten gewesen. Immer wieder gab es Streitigkeiten mit den Zeichnern seines Verlags, die wohl zu Recht darauf hinwiesen, dass sie an der Entwicklung der Figuren zumindest beteiligt waren und der Chef selbst nicht gezeichnet, allenfalls Texte zu den Comics geschrieben hat.

Eine neue Biografie muss her

Die Geschichte, die von Hechelhammer nach vielen Gesprächen mit Verwandten, der Witwe und ehemaligen Mitarbeitern von Rolf Kauka erzählt, ist wenig schmeichelhaft für den Mann, dessen bunte Bilder viele Österreicherinnen und Österreicher durch Kindheit und Jugend begleitet haben. Das Beste, was man nach der Lektüre von "Fürst der Füchse" über diesen Kauka sagen kann: Er war kreativ, hartnäckig, und er ließ seine Helden in den Comic-Heftchen bereits in einer Zeit für Umweltschutz werben, als das in Österreich noch nicht wirklich ein großes Thema war.

Der Rest des Bildes ist finster: Aus dem Sohn eines überzeugten Nationalisten, aufgewachsen in Sachsen, wurde ein begeisterter Hitler-Junge, ein glühender Nazi und ein mehrfach ausgezeichneter Soldat. Nach dem Krieg hatte Kauka seine Einstellung nicht geändert. "Er romantisierte auch in späteren Jahren die eigene HJ-Zeit ohne erkennbare Distanz zur Nazi-Jugendorganisation", schreibt von Hechelhammer und kommt zu dem Schluss: "Eine kritische Vergangenheitsbewältigung sah anders aus. Hier agierte Kauka wie so viele Deutsche."

Anstatt sich zuerst einmal mit der dunklen Vergangenheit auseinanderzusetzen, schaltete Kauka ruckzuck in den Zukunftsmodus. Und ihm war klar, dass er dafür zum einen aus dem von den Sowjets besetzen Sachsen wegmusste und zum anderen eine neue Biografie brauchte. Wie praktisch, dass er im Krieg eine Bayerin geheiratet hatte. Dort fing Kauka neu an: Er verschleierte seine Nazi-Vergangenheit und seine Herkunft, erfand einen Doktortitel. Aber auch hinter der neuen Fassade bewahrte Kauka die alte Ideologie. Das lag daran, schreibt von Hechelhammer, dass die Zeit in der Hitlerjugend "eine charakterlich prägende Phase" gewesen sei. Seiner vierten Ehefrau habe Kauka in den letzten Lebensjahren vorgeschwärmt, was für "eine Power" ihm die HJ gegeben hat.

Rolf Kauka war aber nicht nur ein alter Nazi, der bevorzugt mit anderen alten Nazis zusammenarbeitete und eine von Hitlers Sekretärinnen in seinem Verlag beschäftigte. Er versuchte, das braune Gedankengut auch mit bunten Bildern unters Volk zu bringen. Mit der Gründung seines Verlags wollte Kauka den amerikanischen Comics, die auch in Deutschland und Österreich beliebt wurden, etwas entgegenzusetzen. Er präsentierte zunächst damals bekannte Figuren wie Till Eulenspiegel und den Baron von Münchhausen in seiner "ersten deutschen Bilderzeitschrift".

"Worauf Kauka abzielte, war die kulturelle Wertediskussion in der frühen Bundesrepublik und die latent vorhandene Angst vor einer Verdrängung der deutschen Kultur durch eine allumfassende Amerikanisierung", erklärt von Hechelhammer. Und schlimmer als die Amerikaner waren für Kauka, der seinen Lebensabend aus gesundheitlichen Gründen im für ihn günstigen Klima der US-Südstaaten verbrachte und ironischer Weise selbst amerikanischer Staatsbürger wurde, in dieser Phase seines Lebens nur die Kommunisten.

Astérix, der Deutsche

Zum Eklat kam es, als Kauka auch französische Comic-Kultur zur Verbreitung seines Weltbilds instrumentalisierte. Er kaufte die deutschen Rechte an den Astérix-und-Obelix-Comics und machte aus den beiden Galliern durch seine eigenen Texte die beiden aufrechten Deutschen Siggi und Babarras, die gegen eine Besatzungsarmee kämpften, die mit amerikanischem Akzent aufmarschierte. Der französische Asterix-Schöpfer René Goscinny machte dem zwar schnell ein Ende und beschimpfte Kauka als "waschechten Neo-Nazi", aber auch in anderen Comics hat Kauka danach immer wieder versucht, seinen ewiggestrigen Beitrag zur "Erziehung der Jugend" zu leisten.

Durch von Hechelhammers packende Biografie rücken Fix, Foxi, Lupo, der Bussi Bär und andere Freunde aus der Kindheit also plötzlich in ein neues Licht. Wobei: Bodo von Hechelhammer - der Name klingt so, als sei er auch nur eine Figur aus Rolf Kaukas Geschichten.