Frances lebt im Hamsterrad: Schule, Hausaufgaben, Schule, Hausaufgaben, Schule, Hausaufgaben - strebern für beste Noten, um später auf eine gute Universität gehen zu können. Freizeit ist für sie ein Fremdwort, für Träumereien hat sie schlicht keine Zeit. Meint sie zumindest, auch wenn ihre Mutter das nicht so streng sieht und ihr sogar ein bisschen mehr Laissez-fair wünschen würde. Nur wenn eine neue Folge von "Universe City" online geht, dann nimmt sie sich die Zeit für ihren Lieblingspodcast. Und als mutmaßlich größter Fan schwebt sie im siebenten Himmel, als sie das Geheimnis lüftet, wer hinter dem Projekt steht und nicht nur draufkommt, dass dieser jemand der beste Freund ihres Co-Schulsprechers Daniel ist, mit dem sie eher eine Feind- als eine Freundschaft verbindet, sondern auch noch als Zeichnerin für den Podcast angeworben wird.

Und jetzt wird es richtig schwierig. Und zwar aus folgenden Gründen: Erstens hat Frances doch eigentlich überhaupt keine Zeit zum Zeichnen (weil: strebern und so). Überhaupt hat sie es auch sonst nicht so mit außerschulischen Freizeitaktivitäten und weiß auf Partys, die sie trotz allem besucht, um nicht ganz zur Außenseiterin zu werden, nicht wirklich etwas mit sich und den anderen anzufangen. Zweitens stellt sich heraus, dass der "Universe City"-Macher Aled ausgerechnet der Bruder jenes Mädchens ist, mit dem Frances befreundet war, bevor ihre alte Schule abgebrannt ist, und das dann plötzlich verschwunden ist. Drittens besteht Aled darauf, dass seine Identität als Kopf hinter dem Podcast geheim bleiben muss, was eine enorme Schwierigkeit darstellt - vor allem, weil Frances selbst in den Social Media aktiv ist und gerade dort Geheimnisse am schlechtesten aufgehoben sind. Zumal es noch ein weiteres Geheimnis um Aled gibt, das Frances tunlichst für sich behalten will: Er ist nämlich nicht nur Daniels bester Kumpel, sondern die beiden sind ein Paar (dass Frances selbst bisexuell ist, streut die Autorin eigentlich bloß noch so drüber). Und die erst mühsam aufgebaute Freundschaft mit Aled droht an dem Ganzen zu zerbrechen, noch bevor sie gefestigt ist.

Es ist eine sehr anstrengende Erzählung einer sehr anstrengenen Hauptfigur, die vom Leben zwar nicht überfordert ist, aber sich selbst den größten Druck macht und auch unter der Macht der Sozialen Medien leidet, die Alice Oseman da auf 447 Seiten zu Papier gebracht hat. Sie erweckt eine Jugendliche zum Leben, deren Unsicherheit den Leser förmlich mitreißt. Es wird niemals langweilig, aber mehr als einmal denkt man sich: "Come on, jetzt sei doch nicht so!" Aber sie ist eben so. Weil sie nicht anders kann. Und das konsequent. Es ist ein sehr herausfordernder Coming-of-Age-Roman, in dem jede kleine Freude prompt durch eine persönliche Niederlage gedämpft wird, der deutlich macht, wie hart das Leben als Teenager sein kann.