Kinder und Jugendliche haben unter der Corona-Pandemie psychisch besonders gelitten, "denn in ihrem Lebensabschnitt geht es um Erfahrungen, die das Weltbild formen", erklärt Martina Leibovici-Mühlberger, Gynäkologin, Psychotherapeutin und Erziehungsberaterin, in ihrem neuen Buch "Wie wir unsere Kinder retten und die Welt dazu". Sie wurden verhaltensauffälliger, aggressiver und gewaltbereiter, neigten zu Waschzwängen, Essstörungen, zu Abschottungen von der Umwelt und Verzweiflung im Distance Learning, zu Suizidgedanken und -versuchen.

Das sehr lesenswerte Buch verweist auf Bildungsdefizite, gefährdete Zukunftschancen, Ängste vor einer "verlorenen Generation" und Sorgen, im Leben zu scheitern.

Leibovici zitiert den von einem engagierten Lehrer stammenden Appell "Rettet diese Generation!" und hebt hervor, was Kinder vor allem brauchen: sehr viel Zuwendung der Eltern, die Chance, sich möglichst oft mit Gleichaltrigen austauschen zu können - nicht leicht in Pandemiezeiten.

Seltener durch die Infektion selbst, sondern vor allem durch die Maßnahmen dagegen haben Kinder unter Corona gelitten. - © getty / afp / Ethan Miller
Seltener durch die Infektion selbst, sondern vor allem durch die Maßnahmen dagegen haben Kinder unter Corona gelitten. - © getty / afp / Ethan Miller

Die Autorin gibt sich aber nicht mit der Rettung der Heranwachsenden zufrieden, sondern nimmt auch die großen Probleme der Gegenwart ins Visier. Soll es eine bessere Welt geben, muss eine entsprechende Bildung her: z.B. für den Umgang mit modernen Medien (wir brauchen "user", nicht "consumer"), für Nachhaltigkeit, für Solidarität und Kooperation statt für das heute so weit verbreitete Konkurrenzdenken. Der Mensch müsse seine Trumpfkarten, das Soziale und das Kreative, ausspielen!