Irgendwann segnet jeder das Zeitliche. Menschen im besten Fall im hohen Alter, Tiere in der Regel (viel früher). Besonders der Tod eines Haustiers ist für Kinder erfahrungsgemäß schrecklich. Der liebgewonnene Mitbewohner, mit dem man vielleicht sogar das Bett geteilt hat, leidet womöglich an einer schweren Krankheit oder Altersschwäche und muss eingeschläfert werden. Oder er liegt eines Tages einfach tot in einer Ecke.

Autor Ole Puls und Illustrator Paul Trakies widmen diesem Thema nun ein Buch: In "Herr Hüpf lernt fliegen" wird das Wort Tod nicht offen ausgesprochen - aber schon nach einigen Seiten ist dem Leser klar: Ui, da kommt das ganz dicke Ende. Herr Hüpf, das Kaninchen, wird das Buch nicht überleben.

Und doch hat die Geschichte etwas Tröstliches - weil Herr Hüpf nämlich seinen Menschen, den kleinen Buben Josh, tröstet. Zunächst erklärt er ihm ganz behutsam, dass es eben ganz normal ist, dass Josh, das Kind, immer älter und größer und stärker wird, während Herr Hüpf, das Kaninchen, eine viel kürzere Lebenszeit hat und mit jedem Lebensjahr an Stärke verliert und schließlich eher früher als später stirbt. Und dann gibt er dem Buben eine Anleitung an die Hand, mit seiner Trauer umzugehen. Sein liebgewonnenes Kaninchen im Herzen zu bewahren, auch wenn es gestorben ist. Die Erinnerung hochzuhalten und später an die guten Zeiten zurückzudenken, die sie gemeinsam verbracht haben. Mag sein, dass Josh später ein neues Kaninchen bekommt - aber die Erinnerung an Herrn Hüpf, die wird ihm bleiben. Und dass der Bub auf der letzten Seite lächelnd einschläft, obwohl er ganz genau weiß, dass sein Haustier die kommende Nacht nicht überleben wird, ist kein kitschiges, realitätsverweigerndes Happy End, sondern Teil einer berührenden Trostgeschichte über das Abschiednehmen.

Bleibt die Frage: Gibt es auch für Tiere einen Himmel? Nun, das ist wohl eine Glaubenssache.