Große Aufregung herrscht in der Kleinstadt Briddvale: Ein berüchtigter Bankräuber, der einen Komplizen ermordet haben soll, ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und hat offenbar im nahen Naturschutzgebiet Birdwood Unterschlupf gesucht und dort auch seine Beute - fünf Millionen Pfund - versteckt. Während nun ein Großaufgebot der Polizei auf der Jagd nach "Räuber Ryan", wie ihn die Medien nennen, den Wald mit dem See darin durchkämmt, macht sich die örtliche Bevölkerung, vor allem die mutigen und übermütigen Jugendlichen, auf die Suche nach der Beute.

Mittendrin ist Twitch, der eigentlich Corvus Featherstone (nomen es omen) heißt, aber Twitch genannt wird - und der ganz andere Sorgen hat. Er wird nämlich von seinen Mitschülern gemobbt, weil er sich mehr für Vögel als für Menschen interessiert. Doch dann wendet sich das Blatt, als Twitchs Peiniger Jack selbst zum Opfer von Stärkeren wird - und ausgerechnet Twitch in aus einer Zwangslage befreit. Ja, es hat halt schon was Gutes, wenn man sich mit der Natur auskennt und ein paar Pfadfindertricks auf Lager hat. (Und es wird nicht bei dieser einen Rettungsaktion für Jack bleiben.)

Und ehe es sich Twitch versieht, wird er plötzlich nicht mehr von Jack gemobbt, sondern von ihm förmlich umschwärmt. Der grobe Klotz, der eben noch eine verletzte Taube umbringen (lassen) wollte, erweist sich als ornithologisch zwar wenig bewandert, aber interessiert und will bei Twitchs Brieftaubenzucht mithelfen. So ganz traut sein früheres Opfer dem Frieden aber nicht. Verstellt sich Jack womöglich nur? Immer wieder wecken gewisse Situationen Zweifel in Twitch. Und auch ein Unbekannter, der sich Billy nennt, schürt sein Misstrauen. Denn: "Menschen ändern sich nicht so einfach", sagt er. Und: "Du kennst dich mit Vögeln eindeutig besser aus als mit Menschen." Allerdings wirkt Billy ab einem gewissen Punkt der Geschichte selbst nicht gerade vertrauenerweckend. Und dann sind da auch noch die beiden Mädchen, die in Birdwood herumstreunen und ebenfalls offenkundig die Unwahrheit über ihren Aufenthalt im Vogelschutzgebiet sagen.

Es ist eine wirklich spannende Handlung, die M. G. Leonard in "Die Geheimnisse von Birdwood" aufzieht, voller Wendungen, Irrungen und Wirrungen. Es geht auch besonders gegen Ende ganz schön wild her ("Emil und die Detektive" lassen hier grüßen). Und nebenbei ist es auch ein Lehrstück über den Umgang mit Menschen und mit Tieren. Und ein Appell an alle Mobber und ihre Opfer da draußen in der harten, brutalen Schulwelt: Es muss nicht so sein. Die Starken müssen nicht auf den vermeintlich Schwachen herumhacken, zumal sie irgendwann auf sie angewiesen sein könnten. Und die Schwachen sollen ihre Stärken entdecken und auch ausspielen. Das Ganze aber nicht mit pathetisch erhobenem Zeigefinger, sondern sehr subtil. Vieles schreibt die Autorin nicht einmal dezidiert aus, sondern lässt ihre Leser selbst draufkommen.

Und zum Schluss die gute Nachricht für alle, die der Plot und seine Protagonisten überzeugt haben: Das Buch ist erst der Anfang und bildet den Auftakt für eine Reihe von Abenteuern in Birdwood.