Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Donnerstag bei einer Videoansprache auf der Frankfurter Buchmesse die Bedeutung von Information und Wissen im Kampf für Frieden und Freiheit unterstrichen. In Europa ermutigten viele Personen des öffentlichen Lebens nach wie vor dazu, Russland zu verstehen und die terroristische Politik von Staaten wie dem Iran zu ignorieren. "Wie kann das passieren?", fragte der Präsident. "Die einzige Antwort ist ein Mangel an Wissen".

Unwissende Menschen seien leichter zu manipulieren. Deshalb sei es umso wichtiger, dass Menschen informiert seien "über den Terror, den Russland in die Ukraine gebracht hat". Selenskyj rief die Branche auf, Bücher zu schreiben, zu publizieren und zu vertreiben, "über diejenigen, die Europa schwächen". Nach Angaben der Buchmesse wurde die auf Ukrainisch gehaltene Ansprache am Mittwoch aufgezeichnet.

Selenskyj sagte weiter, dass zwei Länder die normalerweise bei der weltgrößten Bücherschau vertreten seien, in diesem Jahr fehlten: Russland und Iran. "Sie sind weniger präsent im kulturellen Bereich und zugleich dort präsenter, wo alles zerstört wird." Anstatt Kultur zu exportieren, exportierten sie Tod.

Zum Schluss lud der Präsident Autorinnen und Autoren, Verlegerinnen und Verleger ein, in die Ukraine zu kommen. "Schaut Euch alle an, was unser Volk durchmachen muss und was wir erreichen konnten. Was die Bedrohungen sind, denen wir immer noch ausgesetzt sind. Seid Zeuge davon und erzählt darüber." Denn das seien Bedrohungen, mit denen andere europäische Nationen auch noch konfrontiert sein könnten, "so lange die terroristischen Staaten noch existieren".

Russland hat die Ukraine vor acht Monaten am 24. Februar überfallen und seitdem größere Teile erobert. Kein Land der Welt erkennt diese völkerrechtswidrige Annexion an. Am Mittwoch setzte Kremlchef Wladimir Putin in den besetzten Gebieten das Kriegsrecht in Kraft.

Am Samstag ist auch Selenskyjs Frau, Olena Selenska, auf der Messe zu Gast. Anders als zunächst angekündigt, wird die First Lady persönlich nach Frankfurt kommen und nicht nur zugeschaltet. Am Samstagnachmittag wird sie zu einem Gespräch der Zeitschrift "Brigitte" erwartet. (apa/dpa)