War es tatsächlich bloß Herzversagen, zurückzuführen auf einen hedonistischen Lebenswandel, oder womöglich doch Mord? Diese Frage beschäftigt Frau Ehrenstein, ihres Zeichens Tochter alten Adels und daher als "Gnä' Frau" tituliert, nachdem die Eltern sie auf ein Begräbnis mitgezerrt haben, das sie eigentlich so gar nicht interessiert hat. Aber sie soll die trauernde Witwe kennenlernen, weil das eine höchst interessante Frau ist - und weil der die Presse, konkret ein ganz spezieller Schmierfink, ebenso zusteigt wie ihr selbst nach ihren vergangenen privaten Mordermittlungen, bei denen sie sich auch mit Hippies und Kommunisten herumgetrieben hat.

Und schon bald leckt die "Gnä' Frau" Blut - oder besser gesagt: Gift, denn sie ist überzeugt, das eben dieses im Spiel war bei dem Todesfall, dem bald ein zweiter folgt. Und spätestens jetzt stellt sich die Frage: Hat sie es am Ende doch mit schwarzen Witwen zu tun, wie die Journaille munkelt? Oder steckt der Protegé des ersten Verstorbenen dahinter, der eindeutig gut aussteigt bei der Sache? Und welches Spiel spielt die verschwenderisch lebende junge Dame, die sich dank Verwandtschaftsverhältnis aushalten lässt und das ihr regemäßig zugeflossene Geld auch in Drogenpartys für den Freundeskreis gesteckt hat? Ja, und dann gibt es noch einige andere Spuren, die in die Tiefen der Wiener Gesellschaft führen.

Daneben beschäftigt Frau Ehrenstein aber auch ihr Privatleben. Weil eine so emanzipatorische Frau wie sie sich halt damit schwertut, zu kuschen, wenn ihr Mann vom eigenen Vater als geschäftsunfähig erklärt wird, stets mit dem latenten, nicht laut ausgesprochenen Hinweis, dass sie, die ungeliebte Schwiegertochter, schuld am Platzen eines großen Deals gewesen sei. Aber im Jahr 1972, in dem Constanze Scheibs neuer Krimi spielt, haben die Frauen halt immer noch am besten hinter dem Herd zu stehen - oder in feineren Kreisen im Salon zu sitzen, am besten rauchfrei, denn auch das ist eine Männerdomäne. Und während in der breiten Gesellschaft die Blumenkinder gegen die archaischen Strukturen der älteren Generationen aufbegehren, versucht die Oberschicht sich an ihrem letzten Rest von Status festzuklammern. All dies nimmt Constanze Scheib in ihren Romanen über eine Frau, die aneckt, wo es nur geht, mit und verwebt so Zeitgeschichte mit Krimi.