Nicole Fröhlich ist Sozialarbeiterin. Und als solche weiß sie ganz genau, wie es Jugendlichen in Krisensituationen geht. Und wie die damit umgehen: oft recht schlecht nämlich. Ein ganzes Potpourri breitet sie in ihrem Debütroman "Der Club der wütenden Fünf" vor ihren Lesern aus. Da ist die leicht reizbare, vom Alkoholiker-Vater im Stich gelassene Gesa, die neben der Schule ihre schwerkranke Mutter pflegen muss; der von ehemaligen Schulkollegen gemobbte Jegor; der übergewichtige Leo, bei dem es daheim auch nicht so leicht ist; der sehr soziale Q, der zwar reiche Eltern hat, aber von ihnen weitgehend ignoriert wird; und Lara, die als Vollwaise erst bei ihren Großeltern gelebt hat und nach deren Tod nun vom Heim in eine Pflegefamilie kommt - dabei wollte sie eigentlich in eine Wohngruppe. Denn eine neue Familie braucht sie nicht, bringt nix - findet Lara.

Sie steht im Mittelpunkt von Nicole Fröhlichs Geschichte, in der die Autorin aus der Sicht einer 15-Jährigen schildert, wie schwierig das Leben als Jugendliche sein kann, zumal in einem nicht "normalen" familiären Umfeld. Lauter Probleme, wohin das Auge reicht. Aber trotzdem kein tränendrüsendrückendes Lamento, sondern eine klare Ansage, wenn auch knallhart. Wie gesagt, Nicole Fröhlich erzählt aus der Praxis, und alles, was in ihrem Roman vorkommt, mag sie sicher schon live gesehen haben. Nicht nur die seelischen Verletzungen, die sie schildert, sondern auch die körperlichen.

Es ist ein packender Roman über fünf Jugendliche, die von ihrem Sozialarbeiter an der Schule zusammengeschweißt werden, zunächst ohne es zu wollen. Aber irgendwann kommen sie drauf, dass sein Spruch mit den fünf Fingern an einer Hand, die getrennt agieren und doch aneinander hängen, gar nicht so weit hergeholt hat.

Insbesondere Lara macht dabei eine starke Entwicklung durch und lernt, dass man Geborgenheit erst lernen muss, um sie zu schätzen. Sträubt sie sich zunächst vehement innerlich gegen den Gedanken, eine "neue" Familie zu bekommen - vor allem mit einem nervigen kleinen Pflegebruder -, kommt sie nach und nach drauf, dass es tatsächlich auch Menschen gibt, die es wirklich gut meinen, wenn sie etwas gut meinen. Die nicht nur so tun, als ob. Und denen ihr Wohlergehen wirklich am Herzen liegt. Sich darauf einzulassen, ist ein langer, schwieriger Weg. Ob sie ihn am Ende mit Erfolg beschreitet oder doch ins Straucheln gerät, wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur soviel: Es ist wirklich fesselnd, ihr beim Gehen zuzusehen.