"Adelheid, du Schaf, benimm dich und sei brav!" Wer drei große Schwestern hat, die einem solches Nachrufen, wenn man das Haus verlässt, . . . Naja, Feinde sind sie aber nicht gerade, Bella, Lexi und Nettchen. Nur nehmen sie ihre jüngste Schwester Adelheid halt nicht ganz für voll. Und als erwachsene (Vor-)Leser ist man nicht ganz abgeneigt, ihnen zuzustimmen. Zumindest ein klein wenig. Denn Adelheid, die Protagonistin von Sabine Ludwigs neuer Kinderbuchreihe, ist nicht nur etwas lernschwach, sondern schwimmt auch sonst ein bisschen auf der Nudelsuppe daher, wie man in Ostösterreich so schön sagt.

Aber sie ist ein herzensgutes Kind, was natürlich gut ist für ihre Mitmenschen, aber manchmal schlecht für Adelheid, weil sie sich deshalb von ihrem besten Freund Benni immer wieder wo hineinreiten lässt und so manche Suppe, die er ihr einbrockt, alleine auslöffelt (womit wir wieder bei der Nudelsuppe wären, die aber in echt natürlich nicht vorkommt - dafür ein toter Hamster, ein Fußball und Plastik-Küchenschaben). Nicht von ungefähr meinen Adelheids Schwester, dass "der Benni kein Umgang" für sie ist. Aber trotzdem sind die beiden befreundet. Nur dass der Benni halt ein Händchen dafür hat, Unsinn anzustellen. Aber im Grunde seines Herzens dürfte auch er ein netter Kerl sein. Weshalb es Adelheid auch nicht im Traum einfiele, ihm die Freundschaft zu kündigen. Ärger hin oder her.

Sabine Ludwig zeichnet hier ein sehr plastisches Bild (untermalt mit Illustrationen von Barbara Jung) von einer Freundschaft in einem klaren Ungleichgewicht. Und von zwei Kindern, wie sie wahrscheinlich jeder auch aus der eigenen Umgebung - vielleicht auch aus der eigenen Schulzeit - kennt. Und auch wenn man öfter einmal geistig die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, weil sich "Adelheid, du Schaf" wieder einmal dermaßen belämmern lässt, kommt man nicht umhin, ihr Respekt zu zollen für ihre Standfestigkeit als Freundin.