Es ist eine Geschichte, die von der Verkettung unglücklicher Ereignisse lebt, aber am Ende doch gut ausgeht, und zwar - natürlich - durch die Hilfe kleiner, unscheinbarer Gesellen, die man schon fast vergessen hat. Tom Gaulds "Der kleine Holzroboter und die Baumstumpfprinzessin" verdankt sein Happy End nämlich einer Käferfamilie. Aber der Reihe nach: Alles beginnt nämlich damit, dass ein König und eine Königin kinderlos bleiben. Und um ihrem Unglück Abhilfe zu schaffen, geht er zu einer schlauen Erfinderin und sie zu einer Hexe. Die eine erschafft einen hölzernen Roboter, der lebendig wird, die andere lässt einen Baumstumpf zum Leben erwachen.

Und so hat das Königspaar nun zwei Kinder, die es liebevoll großzieht - mit der Einschränkung, dass die kleine Baumstumpfprinzessin sich jede Nach zurück in einen Holzklotz verwandelt und erst durch einen Zauberspruch wieder lebendig gemacht werden muss. Und das vergisst ihr hölzernen Bruder eines Tages, woraufhin das Unglück seinen Lauf nimmt: Der Holzklotz wird aus Versehen weggeworfen, landet mit einer Ladung Holz auf einem Schiff, das gen Norden in See sticht. Aber zum Glück ist der kleine Holzroboter doch noch rechtzeitig zur Stelle, und nach einem kleinen Abenteuer findet er seine Schwester und kann sie nach weiteren Abenteuern auch glücklich nach Hause bringen, wo die Eltern schon verzweifelt warten - wie gesagt, mit Hilfe der kleinen Käfer.

Es ist eine bezaubernde Geschichte, die der US-Cartoonist Tom Gauld hier erzählt, mit klaren, bunten Bildern. Es geht um Geschwisterliebe, um das Eingestehen von Fehlern und um Vergebung und darum, dass Stärke keine Frage der Größe ist. Nur eines muss man ihm schon vorhalten: Sein Buch hätte gut und gerne mehrere Dutzend Seiten länger werden können, hätte er es sich nicht im Mittelteil recht einfach gemacht. Denn da schreibt der Autor über den Weg des Holzroboters zurück nach Hause mit seiner Schwester (noch als Holzklotz im Gepäck) schlicht: "Unterwegs erlebte er zu viele Abenteuer, um sie hier alle zu erzählen." Und dann zählt Gauld sechs Geschichten mit Titel und je einem Bild auf, von denen man sich wünscht, er hätte alle sechs hier ausgebreitet. Denn es wäre schon spannend zu erfahren, wie dann zum Beispiel "Der einsame Bär" oder "Der Schlüssel des Riesen" abgelaufen wären, hätte sie Gauld erzählt.

Freilich mag man nun einwerfen, dass das ja die Fantasie anregt und dass es den kleinen Lesern auch guttut, sich selbst eine Geschichte dazu auszudenken. Aber wer weiß, vielleicht fasst sich der Autor ja noch ein Herz und reicht die sechs Geschichten als eigene Bücher nach. Mit genauso liebevollen Bildern und Texten . . .