In der Verlagswelt ist es manchmal wie im Fußball: Irgendwann machen die großen Häuser den Kleinverlegern die mühsam "aufgebauten" Autoren streitig. Zwölf Bücher hat der 1978 geborene Arno Camenisch beim verdienstvollen Verlag Urs Engeler veröffentlicht, teils viel besprochen und durchaus erfolgreich. Nun legt er erstmals einen Roman im großen Diogenes-Verlag vor.

Wobei sich das in diesem Fall sogar inhaltlich begründen lässt. Handelten seine bisherigen Romane und Erzählungen fast ausschließlich von der Herkunftswelt im schweizerischen Graubünden (was sich auch insofern niederschlug, als das Rätoromanische darin eine nicht unwesentliche Rolle spielt), so beschreibt er nun den eigenen Lebensweg hinaus in die Welt: mit mehrmonatigen Auslandsaufenthalten in Asien und Südamerika, einer zwischenzeitlichen Heimkehr nach Chur und dem Beginn der Tätigkeit an der "Schweizer Schule Madrid".

- © Diogenes
© Diogenes

Es sind die Jahre Anfang zwanzig, in denen einem plötzlich die Welt offensteht, man nichts muss und sich die Strukturen des alten Lebens auflösen. Es ist ein Leben in großer Freiheit, ohne Bindungen (auch in Liebesdingen nicht), ohne Verpflichtungen. Ob in Australien, in Hongkong oder Buenos Aires: Der junge Arno zieht nachts durch die Bars, hat Affären und genießt das Leben.

Leider passt sich sein Text dieser nonchalanten Unbeschwertheit an. Er ist sprachlich auffallend schlampig und unelegant, manchmal ermüdend redundant und neben einigen wirklich feinen Beobachtungen werden wir mit eher banalen (und unangenehm generalisierenden) Lebensweisheiten des Mittzwanziger-Ichs beglückt: "Die Sprache ist der Schlüssel, wir brauchen sie. Ohne sie sind wir verloren." Oder: "Je öfter man miteinander Sex hat, umso besser lernt man sich kennen." Manches mag als sprachliche Eigenheit durchgehen, aber insgesamt wirkt dieser Text recht schnell hingeschrieben und kaum lektoriert.

Vielleicht ist es auch hier wie im Fußball: Nicht alle, die beim SC Freiburg waren, werden beim FC Bayern besser und glücklicher.