Der Titel sagt eigentlich schon alles: Autorin Kerstin Löwe und Illustratorin Katja Schmiedeskamp setzen mit "Anton will Prinzessin sein" ein Statement gegen vorgegebene Geschlechterrollen. Buben gehen im Fasching als Astronauten, Ritter oder Piraten, Mädchen als Fee oder Prinzessin - von wegen! Anton will ein Prinzessinnenkostüm anziehen. Warum? Egal, man muss es nicht verstehen, sondern nur akzeptieren. Das sieht am Ende auch seine Freundin Ella ein, nachdem sie ihm von Drache über Superheld bis König alle möglichen Kostüme vorgeschlagen hat. Und Anton ist glücklich im Prinzessinnenkleid auf der Faschingsparty.

Wird er deswegen später einmal eine Transe? Müssen sich seine Eltern Sorgen machen, weil er ein rosa Glitzerkleid und ein Krönchen tragen will? Abgesehen davon, dass diese Fragen im Jahr 2022 ohnehin nicht mehr als politisch korrekt angesehen werden, stellen sie sich gar nicht in Löwes und Schmiedekamps Buch. Wer es nicht hinterfragt, wenn Kinder in verschiedene Rollen - auch anderen Geschlechts - schlüpfen und einfach einmal ausprobieren, wie es wäre, wenn, der braucht sich auch keine Gedanken darüber zu machen. Man kann sicher sein, dass Anton seinen Weg gehen wird - ob nun im rosa Glitzerkleid oder doch im schweren Kettenhemd (bildlich gesprochen). Und es wird ein guter Weg sein.

Das ist die Kernbotschaft dieses großformatigen, bunten und auch etwas lauten Bilderbuches mit ebenso klaren Zeichnungen wie Aussagen. Denn nicht nur Mädchen können alles sein, sondern auch Buben.