Glänzend! Einfach glänzend ist dieses neue Buch von Otto Hans Ressler. Nur: Was genau ist es? Sachbuch? Roman?

Man befrage die Kreuzworträtsel. Nur noch in ihnen hält sich der Name Karl Aloys Schenzinger, wenn nach seinem Roman gefragt wird. Richtige Antwort: "Anilin". In "Anilin" hat es Schenzinger geschafft, Wissenschaft zu erzählen.

Ressler, 1948 geboren, ist Auktionator und beeideter Sachverständiger für Kunst. Er ist Mitbegründer der "Wiener Kunstauktionen" (heute "Auktionshaus im Kinsky") und der "Ressler Kunst Auktionen". Seit 1976 tritt er als Autor von klugen Sachbüchern über Kunst und den Kunstmarkt sowie mit Biografien hervor, in letzter Zeit zunehmend auch als Erzähler.

Kunstexperte und Autor: Hans Otto Ressler. 
- © apa / Georg Hochmuth

Kunstexperte und Autor: Hans Otto Ressler.

- © apa / Georg Hochmuth

In "Kardinal und Hure" erzählt Ressler die Geschichte eines Bildes, das in den Besitz eines jüdischen Sammlers kommt, von einem Ariseur geraubt wird. Der Sammler wird ermordet, seinen Kindern gelingt die Flucht. Nach 1945 beginnt das Tauziehen um das Gemälde, das jetzt im Besitz der Republik Österreich ist.

Die Personennamen mögen fiktionalisiert sein, die Geschichte ist es nicht. Der Realname des Bildes ist "Kardinal und Nonne", sein Maler Egon Schiele. Kann das wahr sein, fragt sich der Leser wiederholt. Aber gut möglich, dass sich gerade hinter den scheinbar konstruierten Wendungen Fakten verbergen. Sogar der Tausch des Bildes aus ursprünglichem Bundesmuseenbesitz gegen ein weniger wertvolles hat stattgefunden.

Den beschämenden Umgang Österreichs mit den Opfern des NS-Regimes stellt Ressler unsentimental dar. Der Autor mag gute Gründe gehabt haben, dieses Buch teilweise als Erzählung zu tarnen - de facto ist es eine Darstellung von Österreichs Restitutionsversäumnissen. Es klärt auf und macht zornig. Gut so! Möge der Name Otto Hans Ressler im Gedächtnis von Lesern bewahrt bleiben und nicht in Kreuzworträtseln.