"Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind . . .", heißt es im Matthäus-Evangelium. Dieses Jesus-Wort fällt einem unweigerlich ein, wenn man "Ein Fest für Joseph" liest. Denn so wie Jesus gemeint hat, dass schon wenige Menschen genügen, die einander Gesellschaft leisten, damit auch er unter ihnen ist, so lautet die Botschaft des neuen Buches von Terry Farish, OD Bonny und Ken Daley, dass es nicht viele Leute braucht, um ein Fest zu feiern.

- © Illustration: Ken Daley
© Illustration: Ken Daley

Der Protagonist Joseph will nämlich endlich jemandem zum Essen einladen, weil es gemeinsam einfach besser schmeckt. Und jeden Tag bekommt er eine Abfuhr. Aber er gibt die Hoffnung nicht auf - bis dann plötzlich genau indem Moment, in dem weder er noch seine Mutter damit rechnen, Josephs Freundin Woosh und ihre Mama vor der Tür stehen, mit einer Torte in der Hand. Und so kommt Joseph doch noch zu seinem Fest, wenn auch nur zu viert.

Dass die Väter der beiden Kinder nicht mit dabei sind, ergibt sich aus der Tatsache, dass Joseph und seine Mama vorher in einem Flüchtlingslager gelebt haben. Die Männer sind also mutmaßlich auf der Flucht von der Familie getrennt worden, bereits in einem Bürgerkrieg gestorben oder aber sie sind mitgeflüchtet und haben eine Arbeit gefunden, die sie dermaßen in Beschlag nimmt, dass sie schlicht nicht zu Hause sind, wenn sich dort das Familienleben abspielt. Das alles wird im Text aber nicht angesprochen. Hier sind wohl die vorlesenden Eltern gefragt, ihrem Kind zu erklären, was ein Flüchtlingslager ist und wie es den Leuten dort geht. Und sie können dabei auch gemeinsam das Vorgängerbuch "Josephs große Fahrt" lesen (da kommt der Flüchtling aus Kenia nämlich in den USA an).

Umso intensiver beschreiben Terry Farish und OD Bonny in ihrem Text, wie wunderbar es ist, nicht alleine essen zu müssen, sondern Freunde um sich zu haben. Dazu passen Ken Daleys Illustrationen, die in ihren gedeckten Farben die Lebensumstände von Joseph und seiner Mutter als Flüchtlinge widergebe - und doch  auch voller Fröhlichkeit sein können.