So was liest man doch mit Vergnügen: die "Selberlebenbeschreibung" (wie die Gattungsbezeichnung bei Jean Paul gelautet hat) von jemandem, der genau das geworden ist, was er immer werden wollte, und der dabei die gute Laune fast immer behält. Schon in der Volksschule schreibt der Autor in einem Aufsatz über seine Berufswünsche, "dass ich irgendwann einmal Bücher schreiben und Filme machen möchte". Und jetzt, viele Jahre später, blickt Georg Biron auf die Zeit zurück, als er, mit Zielstrebigkeit und dem nötigen Glück, darauf hingearbeitet hat.

Das geht um alle möglichen und unmöglichen Ecken, und wie in jedem anderen Leben schaut einiges davon nicht unbedingt so aus, als würde es zum Erreichen der großen Ziele auch nur das Geringste beitragen. "Ohne meine kommunistische Phase wäre ich sicherlich nicht als Reiseleiter in die Sowjetunion gefahren, ich hätte Sigrid nicht kennengelernt und wäre nicht so früh ein Playboy-Schreiber geworden."

- © Wieser
© Wieser

Was für unschuldige und aus heutiger Sicht geradezu skandalös unkorrekte Zeiten! Weniger aufgrund des Engagements für den "real existierenden Sozialismus", das war damals anrüchiger als heute (wenn auch nicht für die richtig Coolen!), sondern wegen des Umstands, dass man, und das mit Erfolg, für eine Zeitschrift schrieb, von der es hieß, dort gebe es "doch auch" sehr gute Texte zu lesen - so als wären die ein Grund dafür gewesen, dass irgendjemand diese Zeitschrift kaufte.

Deren Witz bestand nämlich darin, dass der leere Platz zwischen den Fotos auf eine Weise gefüllt war, dass man sie auch im seriösen Zeitschriftenhandel bekam und nicht nur in sehr speziellen Läden, in die man, ohne volljährig zu sein, gar nicht erst hineingelassen wurde.

Der Weg zum Ruhm ist im vorliegenden Fall nicht nur mit gewöhnlichen Dingen wie der Mitarbeit an literarischen Zeitschriften, Filmen oder literarischen Preisen (Theodor-Körner-Preis!) gespickt, sondern auch mit einer geradezu umwerfenden Anzahl von Frauenbekanntschaften. Manche davon haben einen Namen, manche keinen. "Ins Hütteldorfer Bad gehen wir in erster Linie nicht, um zu schwimmen, sondern um die Mädchen durch einen schmalen Spalt in der Holzwand des Umkleideraums zu beobachten."

Das Panorama einer Kindheit und Jugend im Wien der 1960er und 1970er Jahre entfaltet sich vor unseren Augen, detailreich, ohne sich in Details zu verzetteln, mit viel Witz und der schon erwähnten Unkorrektheit: Das Buch scheint wie aus der Zeit gefallen, nicht aus der, in der es spielt, sondern aus der jetzigen. Eines der Wunder jener Zeit bestand in der weiteren Verbreitung jener Autoren, die gerade aus dem Dunkel des Verrucht-Verbotenen aufgetaucht waren, in dem sie mittlerweile wieder verschwunden sind, wie Henry Miller oder Erica Jong. Nicht, dass Biron einen von denen nachzuahmen versucht, es ist mehr eine Herzensverwandtschaft über Zeiten und Länder hinweg.

Ganz nebenbei frönt der Autor auch einer charmanten Sorte des name dropping, Abteilung "in Wien weltberühmt". Meine Lieblingsgeschichte handelt von einer Party, auf der Elfriede Jelinek in einem Schrank versteckt werden muss, damit sie nicht von einer anderen, dort überraschend aufgetauchten und sehr erregten Dame handgreiflich gemaßregelt wird, dann allerdings vom Erzähler und seinen Freunden in selbigem Schrank vergessen und erst nach Stunden wieder befreit wird.