Stell dir vor, Ballett ist dein Leben - und dann verletzt du dich bei einem Trainingssturz so schwer, dass du nach der Operation nie wieder Ballett auf Spitzenniveau tanzen kannst. In diese Situation steckt Mariko Turk ihre jugendliche Protagonistin Alina, die sich plötzlich statt im Hochleistungstanzkurs an der ganz normalen Highschool wiederfindet und dort damit konfrontiert wird, dass es Menschen gibt, die zwar auch Leidenschaft für Hobbys empfinden, aber es überhaupt nicht nachvollziehen können, wenn man dem, wofür man brennt, alles andere unterordnet.

Und so leidet Alina wie ein Hund, während sie versucht, sich ins Highschool-Leben einzufinden - und sich auf Drängen ihrer neuen Freundin Margot breitschlagen lässt, beim Musical, das in der Schule aufgeführt wird, mitzumachen. Weil: Tanzen kann sie da auch, und "du bist ja immer noch eine Tänzerin".

Es ist dieser Satz, um den sich das Buch dreht. Ist Alina immer noch Tänzerin? In dem Sinn, den sie bisher darunter verstanden hat? Kann sie auch ohne Spitzentanz glücklich sein? Nein, lautet die deprimierende Antwort. Und zwar nicht, weil es nicht möglich ist, sondern weil Alina es einfach nicht möglich sein lässt. Weil sie sich jegliche Chance auf ein bisschen Glück abseits der Ballettbühne selbst verbaut und sich lieber im Selbstmitleid suhlt, als sich für Neues zu öffnen. Und weil sie den Satz, dass sie "darüber hinwegkommen muss", nicht mehr hören kann. Selbst der Liebe steht sie dabei selbst im Weg. Wenn das nur gut ausgeht . . .

Mariko Turk legt mit "So federleicht wie meine Träume" einen wirklich beeindruckenden Debütroman vor: ergreifend melancholisch bis deprimiert, hoffnungslos romantisch, zutiefst nachdenklich und reflektierend. Und neben der berührenden Liebes- und Freundschaftsgeschichte arbeitet sie sich auch noch gekonnt am strukturellen Rassismus im Ballett ab. Denn bei aller Trauer um das, was sie unwiederbringlich verloren hat, kommt Alina nicht umhin, einiges davon auch in Frage zu stellen. Es ist ein starkes Buch mit starken Aussagen, bei dem man bis zum Schluss mit der jugendlichen Protagonistin und ihrem Umfeld mitfiebert.