Angst ist ein wichtiges Gefühl. Denn ohne Angst gäbe es keine Mut. Und ein gewisses Maß an Angst bewahrt uns vor Übermut. Man sollte die Angst aber nicht Überhand nehmen lassen, und vor allem sich nicht unbegründeter Angst hingeben. Und wer sich seiner Angst stellt, kann sie auch überwinden.

So wie der Hase in der neuesten Erzählung von Michael Engler und Joëlle Tourlonias. "Wir zwei machen uns Mut" handelt davon, dass man sich nicht gleich ins Bockshorn jagen lassen sollte, wenn es einmal unheimlich wird. Denn vielleicht gibt es ja gar keinen Grund, sich zu fürchten. Andererseits ist mitunter auch die Abwesenheit einer sichtbaren Gefahr erst recht etwas, was Angst macht. So wie der Hase erst, als ihm der Igel sagt, dass man doch eh nichts Böses sieht im Wald, weil es so dunkel ist, erst recht ängstlich wird. Aber es ist dann auch der Igel, der ihm - mit Hilfe weiterer Waldtiere - hilft, seine Angst loszuwerden. Zwar mit einem kleinen Trick, indem er ihm einredet, dass es einen Angststein gebe, der die Furcht aufsauge, aber manchmal ist so etwas erlaubt, wenn es ums Mutmachen geht. Placebo nennt man das.

Die Geschichte von Hase und Igel - der insgesamt sechste Band aus der "Wir zwei . . ."-Reihe - ist jedenfalls nicht nur pädagogisch wertvoll, sondern auch wunderbar erzählt, mit zuckersüßen Tierbildern und textlichem Charme.