"Alexander hatte Griechenland besiegt, Kleinasien erobert, Persien unterworfen und war nun auf dem Feldzug nach Indien." Schon taucht der Zuhörer ein in einen Ozean der Geschichten und möchte nie wieder aus ihm herausgehen. Parvis Mamnun erzählt auf zwei CDs "Derwisch-Geschichten", was knapp zwei Stunden des Glücks bedeutet.

Ein Erzähler, der um die Kunst des Erzählens weiß: Parvis Mamnun. - © Markus Wild
Ein Erzähler, der um die Kunst des Erzählens weiß: Parvis Mamnun. - © Markus Wild

"Derwisch" wird im Westen oft missverstanden als ein in Raserei gefallener Mann. Das verursachen die ekstatischen Tänze, die gleichsam Meditationen durch Bewegung sind. Tatsächlich ist der Derwisch, auch Sufi, ein Angehöriger einer muslimischen Ordensgemeinschaft, die sich der Weisheit und Askese verschrieben hat und die in ihrer Philosophie über die Stoa mit dem Urchristentum verbunden ist. Parvis Mamnun hat denn auch Geschichten ausgewählt, die mit Gelassenheit, oft auch Humor, tiefe Einsichten vermitteln. Einige stammen von Rumi und Attar, die meisten basieren auf mündlicher Überlieferung.

In diese Tradition stellt sich, unterstützt vom Ensemble Isfahan, Parvis Mamnun. Der aus dem Iran stammende Schauspieler und Regisseur, Absolvent des Reinhardt-Seminars, hat die Kunst des freien Erzählens noch im Iran erlernt. Langsam, wohlartikuliert, wie improvisierend, beginnt Mamnun die Geschichten und steigert sie im Erzählfluss zu größter Intensität.

Der Zuhörer fällt aus der Zeit, er vergisst alles um sich her, während er dieser raunenden und doch so klaren Stimme lauscht mit ihren Berichten vom Wasser des Ewigen Lebens, von Salomo und dem Todesengel, von Jesus und dem Gierigen und vieles mehr. Wie aus ferner Zeit wehen die Erzählungen her. Wenn man am Ende wieder im Hier und Jetzt ankommen muss, ist man beglückt und bereichert. Wie ein Wunder aus einer dieser wunderbaren Geschichten ist das.