Ein Buch von Fay Weldon, die am 4. Jänner in Northampton im Alter von 91 Jahren gestorben ist, kennt fast jeder - wenngleich vielleicht nur über den Umweg des Films: "Die Teufelin" (Originaltitel: "The Life and Loves of a She-Devil") wurde mit Roseanne Barr und Meryl Streep verfilmt, lief mit Erfolg in den Kinos, wurde im Fernsehen mehrfach gezeigt.

Es ist eine brillante Geschichte mit einem eigentlich simplen Ausgangspunkt: Bob, ein Schnösel von Mann,  verlässt seine bodenständige, sich abrackernde, nur nicht sehr hübsche Frau Ruth für eine attraktive, aber emotional oberflächliche Autorin von Liebesromanen, die Geld genug besitzt, dass sie das Leben leicht nehmen kann. Bob schleudert bei der Trennung Ruth an den Kopf, was ihm im Leben wichtig ist. Statt sich nun gekränkt zurückzuziehen oder einen sinnlosen Kampf um den ohnedies dafür unwerten Bob zu beginnen, sinnt Ruth auf Rache und nimmt Bob systematisch alles weg, was ihm etwas bedeutet. Während sie ihn Stück für Stück demontiert, gewinnt sie Selbstvertrauen.

Susan Seidelmans Verfilmung aus dem Jahr 1989 bot Meryl Streep als Liebesroman-Autorin die erste komische Rolle ihrer Karriere und bescherte Roseanne Barr als Ruth eine Glanzrolle.  

Feministische Positionen

Das Buch mehr noch als der Film ist nicht zuletzt bemerkenswert, weil es feministische Positionen mit einem Sinn für sehr englischen schwarzen Humor verhandelt. Und wie alle guten Autoren egal welchen Geschlechts, ist Fay Weldon eine glänzende Manipulatorin des Lesers: Denn natürlich ist es moralisch falsch, Schadenfreude zu empfinden, und natürlich ist es verwerflich, Rache zu üben - aber in diesem Fall kann sich niemand der Schadenfreude über die gelungene Rache erwehren. Die wahre Teufelin - sollte das Fay Weldon selbst sein?

Geboren wurde die Engländerin am 22. September 1931 in Alvechurch (Worcestershire) als Franklin Birkinshaw in eine Familie von Literaten.Sie wuchs in Neuseeland auf, kehrte nach der Scheidung ihrer Eltern nach Großbritannien zurück, wo sie ein Studium der Psychologie und Wirtschaftswissenschaften begann. Nachdem sie unehelich schwanger geworden war, brach sie ihr Studium ab und zog nach der Geburt ihres ersten Sohnes nach London.

Weldon war dreimal verheiratet und hatte vier Söhne. Den Namen Weldon hatte sie von ihrem zweiten Mann, einem Jazzmusiker. Während ihrer zweiten Schwangerschaft begann sie, die Texterin einer Werbeagentur war, für Radio und Fernsehen zu schreiben. 1967 erschien ihr erster Roman, "The Fat Woman’s Joke".

Produktive Autorin

In der Folge entwickelte sich Fay Weldon zu einer höchst produktiven Autorin: Zu den mehr als 40 Romanen kommen zahlreiche kürzere Erzählungen und Kurzgeschichten, mehrere Sachbücher, die mehr als 20 Arbeiten für das Theater umfassen sowohl eigene Stücke wie Dramatisierungen (etwa von Thomas Hardys "Tess of The D’urbervilles") und Drehbücher für Episoden von TV-Serien (darunter die erste Folge von "Upstairs Downstairs", im deutschsprachigen Fernsehen "Das Haus am Eaton Place"). Ihr Roman "Praxis" (zu Deutsch: "Die Decke des Glücks") aus dem Jahr 1978 war für den renommierten Booker-Preis nominiert, dessen Jury sie später selbst zeitweise vorstand. Bis 2021 lehrte sie an der Uni in Bath (Bath Spa University) Kreatives Schreiben. 2002 erschien ihre Autobiografie über ihre frühen Jahre unter dem Titel "Auto de Fay".

Im Mittelpunkt von Fay Weldons Romanen und Stücken steht meist eine weibliche Hauptfigur, die sich gegen eine patriarchalisch geprägte Gesellschaft behaupten muss. Dabei differenziert Fay Weldon sehr genau zwischen Frauen, die sich in dem überkommenen und veralteten Gesellschaftsmodell vermeintlich vorteilhaft einrichten und Frauen, die sich dagegen auflehnen, dadurch zunehmend Selbstvertrauen gewinnen und dadurch fähig werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Im Jahr 2001 wurde ihr für ihre Verdienste um die Literatur ein Orden des Königshauses verliehen.

Überraschend kam Weldons späte Hinwendung zum Christentum: 2000 ließ sie sich in der St. Paul's Cathedral als Mitglied der Church of England taufen. "Ich möchte glauben, dass ich durch den heiligen Paulus zum Glauben kam", kommentierte die Autorin ihren Schritt.